{"id":6,"date":"2008-05-12T00:38:03","date_gmt":"2008-05-11T22:38:03","guid":{"rendered":"http:\/\/volke.biz\/wp\/?p=6"},"modified":"2008-07-15T18:22:07","modified_gmt":"2008-07-15T16:22:07","slug":"neuseeland-der-marz","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/volke.biz\/wp\/neuseeland-der-marz\/","title":{"rendered":"Neuseeland (der M\u00e4rz)"},"content":{"rendered":"<p>&#8218;<\/p>\n<h1>Der M\u00e4rz<\/h1>\n<p>Nun, heute, da schon der vierte des Monats ist, habe ich die  Notwendigkeit empfunden, wieder einmal wie wild auf die klickenden Buchstaben  meines Notebooks einzuh\u00e4mmern, um der n\u00f6rdlichen Hemisph\u00e4re an meinen Tagen  teilhaben zu lassen.<br \/>\nWas f\u00fcr heute geplant ist, schreibe ich lieber morgen, da  mich Rebecca, Roberta und Nathan eingeladen, mit ihnen irgendwo hin zu fahren,  und da mir das Ziel dieses Irgendwohinfahrens gerade entfallen ist, belasse ich  es dabei, eine Andeutung auf einen sp\u00e4teren Zeitpunkt zu w\u00e4hlen.<br \/>\nMit selbiges war ich aber gestern Abend im Toast, einer Bar  in Paihia und wir erfreuten uns der instrumentalen und s\u00e4ngerischen Darbietung  der Band Kiwitroubadour. Die Bar war relativ leer, was zwar schade war, da die  drei wirklich gut waren, aber man brauchte wenigstens nicht so lange  anzustehen, um ein Bier zu bekommen. Als ich dieses bestellt habe, wurde mir  pl\u00f6tzlich klar, warum man auch als Barkeeper eine dreij\u00e4hrige Ausbildung machen  kann (kann man das? Ich hoffe doch, ansonsten stelle ich hier ja v\u00f6llig  sinnlose Tatsachen in den Raum). Es gibt ja Leute in unserem Universum, die  benutzen zum \u00d6ffnen eines Kronkorkens einen Flaschen\u00f6ffner. Eine tolle  Erfindung, so ein Flaschen\u00f6ffner, sonst bek\u00e4me man den Kronkorken ja  schlie\u00dflich nicht artgerecht auf. Ich geh\u00f6re jedoch zu den Menschen dieser  Welt, die Kronkorken mit allem \u00f6ffnen au\u00dfer Flaschen\u00f6ffnern. Dieses \u201eIch bin  unkreativ und benutze einen Flaschen\u00f6ffner\u201c-Klischee gef\u00e4llt mir nicht, wobei  die Vorz\u00fcge des Flaschen\u00f6ffners auf der Hand liegen. Auch die Bedeutung ist  mehr als deutlich. Nimmt man ein Feuerzeug, macht man damit Feuer. Feuer. Nicht  Flasche. Feuer! Warum benutzen nun Menschen, die kein Feuer machen wollen, ein  Feuerzeug? Zum Flaschen\u00f6ffnen. Demnach w\u00e4re es ein Flaschenzeug. Dieses Wort  gibt es in \u00e4hnlicher Form bereits (Flaschenzug), aber damit kann man auch keine  Flaschen \u00f6ffnen. Also nimmt man eine Gabel. Mit einer Gabel spie\u00dft man Dinge  auf. Obst, Gem\u00fcse, Fleisch oder Mist (im Falle einer Mistgabel). Jedoch lassen  sich Flaschen nicht aufspie\u00dfen und Kronkorken auch nicht. Also muss der  Flaschen\u00f6ffner wieder her. Da man mit einem Flaschen\u00f6ffner weder Feuer machen,  noch Obst, Gem\u00fcse, Fleisch oder Mist aufspie\u00dfen kann, \u00f6ffnet man mit ihm eine  Flasche; einfach clever, dachte sich auch der Barmann und \u00f6ffnete die Flasche  mit dem Flaschen\u00f6ffner. Nun gibt es verschiedene M\u00f6glichkeiten, mit einem  Flaschen\u00f6ffner die den Kronkorken zu \u00f6ffnen. Normalerweise nimmt man den  Flaschen\u00f6ffner in eine Hand, \u00f6ffnet die Flasche und legt den Flaschen\u00f6ffner  dann wieder weg. Dieser Barmann nahm jedoch den Flaschen\u00f6ffner in die Hand,  warf ihn hoch, fing ihn auf, lie\u00df ihn mehrmals um seinen Zeigefinger rotieren,  warf ihn wieder hoch, fing ihn hinter dem R\u00fccken auf, wechselte ihn in die  andere Hand und pl\u00f6tzlich machte es plopp und die Flasche war offen. Er benutzte  nicht die Flaschen\u00f6ffner-Seite, sondern die gegen\u00fcberliegende, die die Form der  unteren Seite eines Feuerzeuges oder einer Gabel hat. Da ich nun aber nicht  nochmals abschweifen m\u00f6chte, belasse ich es einfach mal dabei\u2026<br \/>\nNichtsdestotrotz musste ich f\u00fcnf Dollar bezahlen und ging  dann wieder zu den anderen und lauschte der Musik\u2026<br \/>\nHeute, am 6. M\u00e4rz 2007 wei\u00df ich von einer weiteren  gro\u00dfartigen Erfindung zu berichten, gestern, am 5. M\u00e4rz hat Bob ein paar  lustige Bemerkungen gemacht und nun erstmal zur\u00fcck zum 4. M\u00e4rz, an dem ich mit  den drei bereits erw\u00e4hnten und dazu noch Gareth die Kaori-B\u00e4ume gesehen habe.<br \/>\nAuch wenn wir es eigentlich gar nicht wollten, kamen wir  schlie\u00dflich doch zuf\u00e4llig nach Kawakawa, dem Ort, an dem Friedenreich  Hundertwasser ein Schei\u00dfhaus designed hat (und in dessen N\u00e4he er die letzten  20-30 Jahre seines Lebens zugebracht hat). Da dieser Ort nicht besonders gro\u00df  ist, ist es das au\u00dfergew\u00f6hnliche Klo auch nicht, drei Pinkelbecken und eine  Sitzgelegenheit zeugen von wenig Verkehr auf diesem \u00d6rtchen (Ich habe mir kein  Bild von der Damenabteilung gemacht). Die anderen vier fanden es aber sch\u00f6n,  mal auf einem Hundertwasser-WC gewesen zu sein.<br \/>\nWir setzten unsere planm\u00e4\u00dfige Route nach Westen dann fort.<br \/>\nSchlie\u00dflich machten wir eine Pause an einer wundersch\u00f6nen  Bucht oder eher Lagune, die nur einen kleinen Zugang zum Meer hatte und sich  weit ins Landesinnere erstreckte. Da wir dort nur sa\u00dfen und etwas a\u00dfen, hat es  eigentlich wenig Sinn, jetzt weiter dar\u00fcber zu berichten. (Rebecca hat mir  einen Apfel angeboten, den ich abgelehnt habe, aber ich habe ein paar  Salsa-Chips von Rebecca gekostet.)<br \/>\nAch ja, es gab dort keine Eiscreme, was Rebecca und Roberta  \u00fcberhaupt nicht gefiel und als wir schlie\u00dflich den gr\u00f6\u00dften aller Kaori-B\u00e4ume  erreichten, gab es dort auch keine Eiscreme (auf dem R\u00fcckweg gab es zwar Gesch\u00e4fte,  in denen Eiscreme verkauft wurde, die schlossen aber gerade, also ein Tag ohne  Eiscreme\u2026)<br \/>\nDer Baum hat nun also in den letzten 1500 Jahren nichts  anderes gemacht als mal so ein bisschen in die H\u00f6he zu schie\u00dfen und ist  mittlerweile etwa 52 Meter gro\u00df. Der Stamm ist riesig und erst nach etwa 40  Metern kommt mal so ein etwas gr\u00f6\u00dferer Zweig (davor ist nur Stamm, nichts als  Stamm!).<br \/>\nUnd als wir nun also so vor uns hin staunten, wie gro\u00df  dieser Baum ist, und dass der erste Zweig erst nach etwa 40 Metern herausw\u00e4chst,  entdeckte Nathan einen Vogel. Das scheint nun nicht weiter verwunderlich zu  sein, zumal es ja im Regenwald allerhand V\u00f6gel gibt; da es sich dabei jedoch um  einen bunten Papagei handelte, wollte ihn jeder sehen. Dumm nur, dass so ein  Papagei im Verh\u00e4ltnis zum Kaori ausgesprochen klein ist und sich dieser Papagei  nun also ausgerechnet im ersten Zweig des Baumes befand, was uns vielmehr  annehmen lie\u00df, dass dieser bunte Fleck im grau-gr\u00fcn des Baumes ein Papagei sein  m\u00fcsste.<br \/>\nDer gro\u00dfe Kaori tr\u00e4gt nicht nur zahlreiche Bl\u00e4tter, sondern  auch den Namen Tane Mahuta, was \u00fcbrigens soviel hei\u00dft wie Tane Mahuta.<br \/>\nEin paar Meter weiter gibt es noch eine weitere interessante  Konstruktion von Kaori-B\u00e4umen, die als \u201eFour Sisters\u201c bezeichnet wird. Dort  teilen sich sozusagen vier riesige B\u00e4ume (riesig, aber dennoch viel kleiner als  Tane) eine Wurzel. Es sieht jedenfalls so aus, als t\u00e4ten sie es.<br \/>\nGenug \u00fcber B\u00e4ume! Als wir zur\u00fcckfuhren, machten wir noch mal  bei der Lagune halt, bzw. bei dem Punkt, an dem sie ins Meer flie\u00dft oder das  Meer in die Lagune. Ich wei\u00df eigentlich nicht mal, ob \u00fcberhaupt irgendwas  flie\u00dft, aber jedenfalls ist an diesem Punkt Wasser und zwar sogar ziemlich  salziges.<br \/>\nDies jetzt mit Worten zu beschreiben f\u00e4llt mir  au\u00dferordentlich schwer, da ich an dieser Stelle meine bisher sch\u00f6nsten Bilder  gemacht habe, auf die ich jetzt mal verweise!<br \/>\nNur soviel: Die Opononi Bucht ist wundersch\u00f6n und es ist  einfach beeindruckend, wie aus saftigem Gr\u00fcn auf einmal eine gro\u00dfe Sandd\u00fcne  wird und das alles mit der sch\u00f6nen Farbgebung des blauen Meeres.<br \/>\nIm n\u00e4chsten Ort speisten wir dann zu Abend, und was liegt da  f\u00fcr vier Britten n\u00e4her als Fish\u2019n Chips.<br \/>\nFish and Chips sind ja gemeinhin als Fisch mit Pommes zu  bezeichnen. Und unter Pommes kennen wir nichts anderes als Pommes entweder mit  oder ohne Ketchup oder Majo.<br \/>\nAber wer h\u00e4tte gedacht, welche verr\u00fcckten Kombinationen es  dabei gibt. Ich a\u00df Kumura-Pommes (Kumura ist eine Art S\u00fc\u00dfkartoffel, die in  Neuseeland sehr popul\u00e4r ist) mit Ketchup und Majo. Rebecca hatte Garlic-Chips  (also Knoblauchpommes), Nathan hatte irgendetwas rotes s\u00fc\u00dfes als Dip. Roberta  tr\u00e4ufelte Essig \u00fcber ihre Chips und Gareth hatte Pommes s\u00fc\u00df-sauer.<br \/>\nDie Vielfalt der Fish\u2019n Chips in Neuseeland steht in einem  sehr lustigen Verh\u00e4ltnis zum Brot in Deutschland: In Deutschland gibt es Pommes  (h\u00f6chstens mit Ketchup oder Majo), alles andere scheint un\u00fcblich, daf\u00fcr aber  hunderte von Brotsorten. Hier, in Neuseeland, gibt es zig verschiedene Arten  von Fish\u2019n Chips aber daf\u00fcr nur Toastbrot\u2026<br \/>\nUnd es gibt hunderte toter Opossums am Stra\u00dfenrand, das nur  mal als Einwurf, es entspricht aber dennoch der Wahrheit.<br \/>\nNun ein ungekonnter Thema- und Tageswechsel auf den 5. M\u00e4rz.<br \/>\nEs war Svens letzter Arbeitstag bei Bob und als er Schluss  machte, unterhielt er sich noch kurz mit ihm \u00fcbers Autofahren und Bob vertraute  Sven an, dass er nie Claire in ein Auto setzen w\u00fcrde, da er weder das Auto,  noch Claire jemals wieder sehen w\u00fcrde. Als sp\u00e4ter Laila noch hinzukam, bemerkte  Bob sehr eindringlich, dass man hier auf der linken Seite fahre und dass man  beim Rechtsabbiegen auch wieder in die linke Spur m\u00fcsse. Er erkl\u00e4rte Laila auch  noch, dass man bei einem Stop-Schild (er buchstabierte S-T-O-P) anhalten m\u00fcsse,  wohingegen es in Neuseeland \u00fcblich sei, bei \u00fcber die Stra\u00dfe gehenden Kindern  einfach weiterzufahren\u2026<\/p>\n<h3>Das Trinkspiel<\/h3>\n<p>Gestern Abend waren wir alle ziemlich betrunken. Daf\u00fcr war  es f\u00fcr Sven umso problematischer heute fr\u00fch um f\u00fcnf Uhr aus welchen Gr\u00fcnden  auch immer aufzustehen. Sven bat mich noch, sicherheitshalber meinen Wecker zu  stellen, was ich auch tat und er klingelte sogar um f\u00fcnf Uhr. Ich wurde wach  und das ganze Zimmer mit mir auch. Ich tippte Sven an und gab ihm zu verstehen,  dass es um f\u00fcnf w\u00e4re und er doch aufstehen wolle, was er aber nicht tat. Ich  ging aufs Klo und h\u00f6rte von dort, wie Lailas Wecker klingelte, denn er musste  sie wohl auch gefragt haben. Als dann einige Sekunden sp\u00e4ter Svens Wecker (oh,  er hats ja doch geschafft ihn zu stellen) klingelte, h\u00f6rte es sich wie ein  kleines F\u00fcnfuhrmorgenskonzert an. Das Zimmer war wach, ich wieder im Bett und  alle w\u00e4lzten sich hin und her. Als alle fast schliefen, bimmelte f\u00fcnf Minuten  sp\u00e4ter wieder Lailas Wecker (sie hatte ihn nicht richtig ausgemacht) und  nat\u00fcrlich einige Sekunden sp\u00e4ter auch Svens Wecker. Wieder waren alle wach,  aber keiner beschwerte sich oder sagte etwas, alle rutschten nur wieder in  ihren Betten hin und her. Als Sven es endlich schaffte, den Wecker  stillzukriegen, lag er aber immer noch im Bett und hatte keine Lust  aufzustehen. Vielmehr schlief er fast wieder ein, wie alle im Zimmer. F\u00fcnf  Minuten sp\u00e4ter ging Svens Wecker schon wieder los. Wieder alle wach, wieder  w\u00e4lzten sich alle hin und her. Dieses Mal jedoch erregte sich ein Widerstand  und ein M\u00e4dchen aus einem anderen Bett erhob sich und sagte irgendwelche B\u00f6sen  Worte zu Sven, die ich jedoch nicht h\u00f6ren konnte, da ich von der wunderbaren  Erfindungen der Ohropacks Gebrauch machte.<br \/>\nSven stand nun doch auf und verlie\u00df das Zimmer. Ich schlafe  direkt neben der T\u00fcr und wie soll es anders sein, Sven kam noch zweimal ins Zimmer  und wieder wurde ich wach (wie einige andere \u00fcbrigens auch). Als Sven endlich  weg war, konnte ich nicht mehr einschlafen (aber ich schlief dank der Ohropacks  dann von etwa sechs bis elf Uhr durch).<br \/>\nDas waren nun also die Folgen des Spiels in unserem Zimmer. Im  Zimmer zwei, gegen\u00fcber, in dem Jay, Rebecca, Nathan und Roberta schlafen,  passierte auch etwas.<br \/>\nJay verlie\u00df das Spiel und den Tisch etwas eher als die  anderen, um zu schlafen. Als die anderen drei dann leise ins Zimmer kamen,  Licht ausmachten und sich leise unterhielten, h\u00f6rten sie auf einmal ein  Ger\u00e4usch, das so klang, als w\u00fcrde jemand aus seinem Bett fallen. Sie knipsten  das Licht an und stellten fest, dass Jay tats\u00e4chlich aus seinem Bett gefallen  war (er schl\u00e4ft unten) und nun hektisch nach seinem Tagebuch kramte. Als er es  gefunden hatte, st\u00fcrmte er wild nach drau\u00dfen und setzte sich auf eine Bank, auf  der ich auch noch sa\u00df. Rebecca und Roberta kamen auch noch raus und wir drei  versuchten nun Jay davon zu \u00fcberzeugen, dass er nicht am Strand, sondern viel  mehr auf einer Bank im Hostel war. Er holte seine Socken aus einer Tasche und  argumentierte, dass er sehr wohl am Strand war, da sie ja nass und sandig  seien. Es dauerte etwas, ihn davon zu \u00fcberzeugen, dass er mit einer trockenen  Hose unm\u00f6glich im Wasser gewesen sein k\u00f6nnte\u2026<br \/>\nDas Trinkspiel besteht aus mehreren kleinen Regeln, die  immer, wenn sie verletzt werden, einen Schluck Wodka (in unserem Fall ein  halbes Glas Wei\u00dfwein) zur Folge haben.<br \/>\nDie wichtigste Regel ist dabei, dass man auf keinem am Tisch  mit dem Zeigefinger zeigen darf (Ellenbogen ist erlaubt). Zeigt man doch mal  auf jemanden, muss man trinken. Die zweite Regel ist, dass man nur mit der  linken Hand trinken darf (egal was, ob nun den Strafbecher oder sein eigenes  Bier). Trinkt man mit der rechten, kommt er Strafbecher, trinkt man den  Strafbecher auch wieder mit der rechten, wird er noch mal aufgef\u00fcllt. Sieht man  nun jemanden, der Regel zwei verletzt, m\u00f6chte man dies nat\u00fcrlich den anderen am  Tisch mitteilen und zeigt auf ihn. Tut man das nun also mit dem Zeigefinger,  muss derjenige, der gepetzt hat, auch etwas trinken.<br \/>\nDie dritte Regel \u00e4hnelt schon eher einem Spiel. Im Laufe des  Spiels kann irgendwer seine Hand ans Ohrl\u00e4ppchen nehmen. Dies m\u00fcssen dann alle  machen, aber es muss jedem selbst auffallen, denn demjenigen, dem es zuletzt  auff\u00e4llt, der muss zur Strafe trinken (man kann schon mal f\u00fcnf Minuten dasitzen  mit der Hand am Ohr). Hat man nun endlich den letzten ermittelt, kommt es vor,  dass der Initiator der Ohrl\u00e4ppchenaktion wie wild aufspringt und auf den  letzten zeigt. Tut er das mit dem Zeigefinger, nun ja, ihr wisst schon. \u00dcbrigens  sollte man sich das Ohrl\u00e4ppchen mit der rechten Hand festhalten, denn mit der  linken muss man trinken, sonst\u2026<br \/>\nDas eigentliche Spiel besteht nun eigentlich aus jeweils  zwei W\u00f6rtern. Das eine Paar lautet \u201efuzzy duck\u201c und das andere Paar ist \u201educky  fuzz\u201c. Derjenige, der zuletzt zur Strafe getrunken hat, sagt nun also eines der  beiden W\u00f6rter und gibt eine Richtung vor, in die es weiter gesagt werden soll.  Sagt nun jemand \u201efuzzy duck nach rechts\u201c, m\u00fcssen alle rechts von ihm  nacheinander \u201efuzzy duck\u201c sagen und immer weiter, die Runde rum. Sagt nun aber  jemand \u201eDoes he?\u201c dreht sich die Runde um und das entgegensetzte Wortpaar muss  gesagt werden.<br \/>\nEin Beispiel: Ich sage \u201efuzzy duck to my right\u201c, sagt Nathan  rechts neben mir \u201efuzzy duck\u201c, dann wiederum Roberta, die rechts von Nathan  sitzt und auch \u201efuzzy duck\u201c sagt. Rechts neben Roberta sitzt Sven und der muss  nun auch \u201efuzzy duck\u201c sagen. Sagt Sven jedoch \u201eDoes he?\u201c (jeder kann \u201eDoes he?\u201c  sagen, um die Runde umzudrehen) muss nun Roberta \u201educky fuzz\u201c, dann wieder  Rebecca, Nathan und ich, bis wieder jemand \u201eDoes he?\u201c sagt, wobei dann wieder  aus \u201educky fuzz\u201c \u201efuzzy duck\u201c wird. Dass die Runde jedoch nur ganz selten vollendet  wird, versteht sich ja wohl von selbst, da immer wieder jemand \u201efucky duzz\u201c  oder \u201edoes he fuck?\u201c oder \u201efuzzy fuzz\u201c oder was auch immer sagt, wobei die  Strafe dann darin besteht, den Schluck Wodka zu trinken. Aber nicht mit der  rechten Hand, sonst\u2026 Dieses Spiel in Kombination mit den ganzen Regeln  verleitet zu regelrechtem Alkoholkonsum und kann sehr teuer werden.<br \/>\nSo zum Beispiel f\u00fcr Oliver aus England, der auch mitspielte  und mit seiner Freundin um 50 Dollar gewettet hat, dass er in Neuseeland nicht  einmal betrunken ist. Die beiden waren nun schon\u00a0 ein halbes Jahr hier und fahren \u00fcbermorgen  nach Hause\u2026<br \/>\nWeiterhin erz\u00e4hlte Gareth eine lustige Geschichte \u00fcber einen  Tierversuch. Da ich an deren Authenzit\u00e4t zweifele, erz\u00e4hle ich sie mal im  Konjunktiv. Es soll wohl man einen Menschen gegeben haben, der erforschen  wollte, wie sich Affen verhielten, die im freien Fall aus einem Flugzeug  geschmissen w\u00fcrden. Der Wissenschaftler hatte wohl einen Fallschirm dabei, den  er ge\u00f6ffnet habe. Er lie\u00df dann wohl den Affen los, um bereits Erw\u00e4hntes zu  erforschen. Der Affe soll jedoch am Fallschirm nach oben geklettert sein und  dazu gef\u00fchrt haben, dass der Fallschirm in sich zusammen gesackt w\u00e4re und nicht  nur den Affen, sondern auch den Wissenschaftler in einen freien Fall versetzt  haben soll. Der Wissenschaftler w\u00e4re an den schweren Folgen des Aufpralls auf  die Erde aus mehreren Kilometern H\u00f6he gestorben, sagte Gareth. Ich fragte, was  dem Affen passiert sei. \u201eDead as well\u201c, sagte Gareth.<\/p>\n<h3>Der Dachbodenmann<\/h3>\n<p>Noch im Februar trafen wir einen Sachsen, der im Folgenden  einfach mal nur als der Sachse bezeichnet wird, was ja nicht falsch ist.<br \/>\nDer Sachse ist etwa um die 1,75 Meter gro\u00df, hat rote Haare,  die hinten zu einem langen Zopf zusammengebunden waren. Als wir in zum ersten Mal  sahen, sprossen zahlreiche rote Bartstoppeln aus seinem Gesicht. Seine Kleidung  sah abgewetzt aus und machte nicht mehr den neusten Eindruck. Ihn umgab  insgesamt eine komische Aura. Wie sich sp\u00e4ter herausstellte, war die Ursache  selbiger seine F\u00fc\u00dfe.<br \/>\nEines Tages war der Sachse einfach da. Keiner wusste, warum  er auf einmal da war und warum ausgerechnet in unserem Hostel.<br \/>\nIn Sachsen beendete der Sachse seine Schullaufbahn nach acht  Jahren und lernte anschlie\u00dfend einen Beruf als Skulptist (oder wie das hei\u00dft)  beziehungsweise als Restaurator. Mit dieser unglaublichen Bildung gepaart mit  dem Englisch eines konservativen Franzosen, der gerade ein Baguette isst,  machte sich der Sachse auf den Weg nach Neuseeland, um nicht nur hier zu  arbeiten, sondern gleich zu wohnen und zwar f\u00fcr immer. Das lustige an der Sache  ist, dass sich der Sachse gedacht hat, dass um die 500 Bugs (also etwa 270  Euro) zu diesem Vorhaben reichen w\u00fcrden.<br \/>\nEr wohnte nun zun\u00e4chst einmal in unserem Hostel, was nicht  weiter schlimm gewesen w\u00e4re, h\u00e4tte er nicht auch noch in unserem Zimmer  geschlafen.<br \/>\nEs war ein regelrechter Schock, als ich von der Arbeit kam  und der Sachse das Bett \u00fcber mir bezogen hatte.<br \/>\nDer Sachse ging mit der Einstellung durchs Leben, dass man  sich oft waschen sollte, aber dass es bei seinen Sachen keinen Sinn macht, da  diese ja eh wieder dreckig werden. Diese Einstellung kommt ins Besondere in  seiner Aura der Fu\u00dfgegend zum tragen, da er wahrscheinlich nur ein Paar Socken  mithatte und diese nie aus den Schuhen kamen. Da gerade Geruchsmolek\u00fcle sehr  klein sind, kamen diese sehr wohl aus seinen Schuhen.<br \/>\nWir alle kennen das Ph\u00e4nomen Schwei\u00dffu\u00df. Nun stellen wir uns  alle unser schlimmstes Erlebnis mit Fu\u00dfgeruch vor und multiplizieren, oder  besser noch potenzieren, es mit 43,546. Wer diese schwere Aufgabe gel\u00f6st hat,  kann sich dann in etwa ein Bild von der Aura des Sachsen machen.<br \/>\nTrotz dieser unangenehmen Lebensauffassung (keiner wollte  neben ihm sitzen oder gegen\u00fcber oder am besten gar nicht am selben Tisch) war  der Sachse ein durchaus netter Mensch. Da er ja auch noch Deutsch konnte, war  also ein bisschen Konversation m\u00f6glich (wenn da nicht diese Schuhe und die  Socken und das alles w\u00e4ren). Der Sachse hatte jedoch ein Problem; und zwar  weder Geld noch Arbeit zu haben.<br \/>\nEs ist gewisserma\u00dfen lustig, in der Hoffnung nach Neuseeland  zu kommen, hier alte H\u00e4user oder historische Kirchen restaurieren zu k\u00f6nnen.<br \/>\nStattdessen\u00a0 suchte  sich der Sachse nach etwa zwei Wochen einen Job als Housekeeper in einem Hotel.<br \/>\nIn diesen zwei Wochen jedoch stellte der Sachse pl\u00f6tzlich  fest, dass Geld im Gegensatz zu seinem Geruch unter dem linken gro\u00dfen Zehnagel  nicht unendlich ist. Es war schlicht und einfach alle.<br \/>\nDies war der Zeitpunkt, an dem Maria die B\u00fchne des Sachsen  betrat. Sie lie\u00df ihr Herz erweichen und f\u00fchlte eine eigenartige Form Mitleid  mit armen, kleinen Sachsen, der Deutschland mit seinen 270 Euro verlie\u00df, um die  Kirchen Neuseelands zu erobern.<br \/>\nSie stellte ihm ihr Auto als Schlafplatz zur Verf\u00fcgung. \u201eIn  der Not frisst der Teufel fliegen\u201c, sagte der Sachse. K\u00f6nne schon sein, sagte  ich ihm.<br \/>\nAls sich Marias Mitbewohner gegen die Tatsache wandten, ein  Schwarzes Loch vom Fu\u00dfgeruch vor ihrer Haust\u00fcr schlafen zu haben und sich auch  Maria im Auto nicht mehr wohl f\u00fchlte, lieh sie ihm Geld. Mittlerweile bereut  sie diesen Schritt, aber mit diesem Geld ging der Sachse in ein anderes Hostel,  um dort zu n\u00e4chtigen.<br \/>\nDie Revolte der Zimmermitbewohner lie\u00df nicht lange sich  warten und der Hostelchef kontaktierte Maria mit der Bitte, ihm mitzuteilen,  dass er entweder seine F\u00fc\u00dfe waschen solle, oder das Hostel verlassen m\u00fcsse.<br \/>\nMaria hofft sehr, das Geld vom Dachbodenmann  zur\u00fcckzubekommen.<\/p>\n<h3>Drei N\u00e4chte wie keine anderen<\/h3>\n<p>Ich versuchte ja bereits die Problematik der Lautst\u00e4rke in  einem Achtbettzimmer zu beschreiben. Die L\u00f6sung lag mit Ohrst\u00f6pseln sehr  praktisch auf der Hand.<br \/>\nAn einem Tag zog jedoch das Monster bei uns ein. Achtung  liebe Freunde des Achtbettzimmers, ich rate euch, fl\u00fcchtet, wenn ihr auf einen  Daniel Wilson aus England sto\u00dft, dieser l\u00e4ngere lockige Haare und ein paar  Tatoos hat. Trinkt dieser dann auch noch jeden Abend eine Flasche Wein und  raucht gem\u00fctlich ein paar Zigaretten, rate ich euch wirklich, nichts wie weg!<br \/>\nIn der ersten Nacht war er alleine. Der tiefen T\u00f6ne drangen  durch seine Nase direkt durch meine Ohrst\u00f6psel und h\u00e4mmerten aufs Trommelfell.  Ohrst\u00f6psel also rausnehmen, nochmals neu ausrichten und wieder rein damit. Immer  noch dieses leichte Dr\u00f6hnen im regelm\u00e4\u00dfigen Takt. Also dann das Kissen \u00fcber  beiden Ohren. Ahh! Wunderbar, nur noch ein leises Brummen. Die Nacht konnte  weitergehen.<br \/>\nAm n\u00e4chsten Tag sind dann Laila und Sven ausgezogen. Statt  ihrer bev\u00f6lkerten nun zwei weitere \u00e4ltere Herren das Zimmer.<br \/>\nEs war nachts, drei Uhr vierzehn. Lautes Dr\u00f6hnen lie\u00df mich  aus meinem Tiefschlaf erwecken. Wo waren nur meine Ohrst\u00f6psel? Mist, schon  drin! Was nun anstellen, dachte ich. Nach kurzem \u00dcberlegen wieder die  Kopfkissenmethode, die vorige Nacht noch so wunderbar funktioniert hatte. Dann  fing der zweite \u00e4ltere Mann mit Schnarchen an, dann noch Daniel Wilson. Ich war  verzweifelt und ging erstmal pullern, in der Hoffnung, dass es dann hinterher  irgendwie besser w\u00e4re.<br \/>\nLeiser war es jedenfalls nicht! Also den iPod rausgeholt und  Lautst\u00e4rke soweit aufgedreht, dass das Schnarchen fast verschwunden war. Leider  Gottes ergab sich daraus gleich das n\u00e4chste Problem: Die Musik war zu laut. Was  nun, dachte ich. Ich gr\u00fcbelte eine Stunde unter st\u00e4rksten akustischem Einfluss  dar\u00fcber nach, wie ich nur Ruhe in dieses Zimmer bekommen konnte. Ich stand auf,  ging zum lautesten Schnarcher, und zog an seinem Kissen. Er wachte auf und  schaute verwirrt im Zimmer umher, entdeckte mich und warf mir b\u00f6se Blicke zu.  Ich erkl\u00e4rte ihm, dass er gerade geschnarcht hatte und dass ich trotz meiner  Ohrst\u00f6psel nicht schlafen k\u00f6nne. Ich hatte den Satz noch nicht einmal beendet,  da schlief er schon wieder, aber immerhin war er leise!<br \/>\nNun nur noch zwei. Aber konnte ich das ganze Zimmer  aufwecken? Ich \u00fcberlegte, ob ich die anderen beiden nicht einfach umbringen  k\u00f6nnte\u2026 Kurzfristig sicherlich die beste L\u00f6sung aber langfristig gesehen h\u00e4tten  sich darauf einige Probleme ergeben k\u00f6nnen. Also zog ich meine Hose, einen  Pullover \u00fcber, nahm mein Kissen und ging erstmal raus zu den Tischen. Dort  knallte ich fluchend das Kissen so laut wie man nur ein Kissen irgendwo  hinknallen kann auf den Tisch. Es machte ein leises dumpfes Ger\u00e4usch. Ich gab  mich damit zufrieden und versuchte sitzend den Kopf vorn\u00fcber auf dem Kissen  gelehnt weiter zu schlafen. Nach etwa zehn Sekunden merkte ich, dass diese  Position einen gewissen Nachteil hatte, denn ich bekam keine Luft mehr. Also  legte ich den Kopf seitw\u00e4rts aufs Kissen. Als ich fast eingeschlafen war, fing  mein Nacken an zu schmerzen au\u00dferdem fror ich bereits.<br \/>\nIch wollte noch mal im Zimmer horchen, ob Daniel und Co.  vielleicht mal eine Pause machten. Aber ich stand noch nicht mal vor der T\u00fcr,  da h\u00f6rte ich schon, dass jeder Versuch darin zu Schlafen zum Scheitern  verurteilt ist.<br \/>\nMir kam die Idee, dass ich auf dem Klo \u00fcbernachten k\u00f6nne.  Ich schloss mich in einer dieser verdammten Kabinen ein und legte das Kissen  auf die Klosp\u00fcle und setzte mich zum Schlafen aus Klo. Diesmal konnte ich  meinen Kopf in den Nacken legen, was ich auch prompt tat und sofort fing die  Klosp\u00fclung an, sich in Gang zu setzen. W\u00fctend und der Idee, jetzt jemanden  umzubringen immer n\u00e4her kommend, ging ich 6:15 v\u00f6llig \u00fcberm\u00fcdet wieder ins  Zimmer zur\u00fcck und komischer Weise fiel ich auch gleich in einen tiefen Schlaf,  der erst 8:40 durch meinen Wecker unterbrochen wurde.<br \/>\nAls ich den vier Cleanern diese Geschichte erz\u00e4hlte, tat ich  ihnen pl\u00f6tzlich Leid und sie boten mir ein Bett in ihrem Zimmer an (Marie und  Phil schliefen gemeinsam in einem Bett, sodass eines frei war). Das war eine  wunderbar leise Nacht, nach den Strapazen der vorigen N\u00e4chte und nun schreibe  ich vor Energie strotzend und munter diese Zeilen und frage mich gerade, ob  eine entladene Batterie leichter ist, als eine frisch aufgeladene.<\/p>\n<h3>Der letzte Tag<\/h3>\n<p>Wohnt man vier Wochen in einem Hostel, sieht man Leute  kommen und gehen. Einige bemerkt man nicht einmal, mit anderen wechselt man die  \u00fcblichen S\u00e4tze \u201eWoher kommst du?\u201c, \u201eWie hei\u00dft du?\u201c, \u201eWie lange bist du schon in  Neuseeland und wie lange bleibst du noch?\u201c Manchmal fragt man dieselbe Person  diese S\u00e4tze mehrmals, weil man sie so oft benutzt, dass man irgendwann den  \u00dcberblick verliert, wer eigentlich was macht und warum er zum Teufel noch mal  nicht schon lange abgefahren ist.<br \/>\nEs gibt aber auch einige Personen, und es sind wirklich  nicht viele, mit denen man mehr Gespr\u00e4che als nur den \u00fcblichen Smalltalk f\u00fchrt.  Es sind die Leute, mit denen man lacht, heftig diskutiert, \u00fcber Gott und die  Welt plaudert und die einem kleine Gefallen tun. Manchmal waschen sie deinen  Teller oder helfen dir mit ein wenig Oliven\u00f6l in der Not. Es sind die Leute, zu  denen du dich gesellst, wenn du abends von der Arbeit kommst, deren  Email-Adressen du bekommst und wo du ganz genau wei\u00dft, wie schade es ist, dass  der Kontakt wahrscheinlich nicht lange halten wird.<br \/>\nMan ist nicht direkt traurig, wenn sie weiterreisen, aber  ihr letzter Tag ist doch etwas mulmig, wenn es hei\u00dft \u201eWir fahren morgen\u201c.<br \/>\nHeute ist der 11. M\u00e4rz 2007 und die letzte Woche war so  eine, in der es gleich mehrere letzte Tage gab.<br \/>\nRoberta, Nathan und Gareth waren die ersten, die aufbrachen,  um weitere Landschaften, Tiere, Kontinente und Menschen kennen zu lernen.  Roberta und Nathan machten sich auf den Weg nach Australien, Gareth ist nur ein  paar Kilometer weiter gefahren. An deren letzten Tag, dem 6. M\u00e4rz,\u00a0 hatte ich frei und wir fuhren mit der F\u00e4hre  nach Russell zum Long Beach, einer wundersch\u00f6nen Bucht mit hohen Wellen und  blauem Meerwasser.<br \/>\nDa es eigentlich auch Svens und Lailas letzter Tag sein  sollte, machten wir abends noch ein Barbecue. Ein Essen f\u00fcr die G\u00f6tter.  Gegrillter Mais, Rumpsteaks, gegrillte Pilze und frischer Salat und nat\u00fcrlich  Bier beziehungsweise Rotwein.<br \/>\nDa ich am n\u00e4chsten Morgen zum Supermarkt musste, kam dann  der Augenblick, an dem es hie\u00df \u201eSee ya\u201c, wobei man ganz genau wei\u00df, dass man  sie wohl nie wieder sehen w\u00fcrde. Eine Umarmung, ein paar nette Worte und  Roberta und Nathan waren aus meinem Alltag verschwunden.<\/p>\n<p>H\u00e4tte das Auto nicht gestreikt, w\u00e4ren Sven, Laila und Alice  auch am 7. M\u00e4rz, einem wundersch\u00f6nen Tag in Paihia mit Sonnenschein und  strahlend blauem Himmel, nach Coromandel aufgebrochen. Deren Abschied  verz\u00f6gerte sich jedoch um zwei Tage. Es war aber kein richtiger Abschied, da  ich die drei wohl in einer Woche wieder sehen werde.<br \/>\nTrotzdem eine komische Sache, gerade bei Sven und Laila, da  wir uns doch jeden Tag sahen, ein Zimmer bewohnten und uns abends beim  Z\u00e4hneputzen trafen.<br \/>\nAn deren letzten Tag liehen wir uns Stacys Volleyball aus  und gingen hinunter zum Strand und spielten ein bisschen vor uns her. Dann  zerrten wir Laila ins Wasser und waren auf einmal alle pitschenass.<br \/>\nDa auch Natalie (eine Belgierin, die auch bei FourSquare  arbeitete) nach drei Monaten ihren letzten Tag in Paihia hatte, gingen wir  abends zum Grillen dorthin. Am n\u00e4chsten Morgen ging ich wieder zum Supermarkt  und Laila und Sven fuhren los. Wir sahen uns noch kurz, umarmten einander und  wechselten ein paar nette Worte. \u201eBis bald\u201c, hie\u00df es.<br \/>\nAls ich nachmittags ins Zimmer kam, war niemand da. Sven spielte  diesmal nirgends mit seinen Devilsticks. Auf seinem Bett lag auf einmal ein  Bikini und der Fu\u00dfboden war von s\u00e4mtlichen Sachen befreit. Unter Lailas Bett,  wo wochenlang Flipflops und andere Sachen herumlagen, befand sich ein Rucksack,  ordentlich zusammen geschn\u00fcrt, an dessen Seite ein paar Boxershorts  heraushingen.<br \/>\nDas ist nicht mehr mein Zimmer, dachte ich, das ist nicht  mehr die Vier!<\/p>\n<p>Gestern hatte ich meinen letzten Tag bei Foursquare. Ein  ganz normaler Tag, Regale einr\u00e4umen, Lieferungen ausfahren, die Kasse betreuen.  Kurz vor Feierabend, kurz vor F\u00fcnf, fragte mich Gay, wie lange ich heute  arbeiten w\u00fcrde. Bis um f\u00fcnf, sagte ich. Sie seufzte.<br \/>\nUm f\u00fcnf bat ich Bob, meine Referenz zu schreiben, ich machte  meine letzte Lieferung und setzte mich noch f\u00fcr weitere ein bis zwei Stunden in  sein B\u00fcro und erz\u00e4hlte mit Bob und keiner von uns beiden wollte diese  Konversation als erster beenden.<br \/>\nKurz vor um sieben sagte Bob, dass Rugby im Fernsehen k\u00e4me.  Ich sagte, dass ich Hunger h\u00e4tte. Mit diesen Worten beendeten wir dann doch das  Gespr\u00e4ch und Bob h\u00e4ndigte mir meine Referenz aus. Ich bedankte mich, er  bedankte sich. Dann noch \u201eAuf Wiedersehen, Claire, auf Wiedersehen Gay!\u201c Eine  Umarmung, ein paar nette Worte und es hie\u00df dann wieder \u201eSee ya\u201c. \u201eVielleicht  komme ich noch mal nach Paihia\u201c, sagte ich Bob. Er schenkte mir eine  Schokolade.<\/p>\n<p>Auf dem Weg zur\u00fcck vom Supermarkt zum Hostel traf ich Marie  (die Sven damals geweckt hatte, als er nach Cape Reinga fuhr), Beccy und Jay.  Wir a\u00dfen gemeinsam Fish and Chips. Es war mein letzter Tag. Abends grillten wir  frischen Fisch, den uns Stacy zubereitete. Einen frischen Salat gab es auch.<br \/>\nAnschlie\u00dfend war ich mit Maria noch im Beachhouse, wir  erz\u00e4hlten \u00fcber Gott und die Welt.<br \/>\nNachher fahre ich mit Beccy nach Whangarei. Maria will noch  vorbeikommen, um \u201eSee you\u201c zu sagen. Dann werde ich mich von Jay, Stacy und  Marie verabschieden. Wir werden uns umarmen und ein paar nette Worte wechseln. Ich  werde sagen \u201eSee ya guys\u201c\u2026 Unsere Email-Adressen haben wir schon ausgetauscht.<br \/>\nAls ich vorhin meine Sachen packen wollte, kam ich in mein  Zimmer zur\u00fcck. Es war leer. Kein Mensch darin und nur drei Betten belegt. Eines  war meins. Ich packte meinen Rucksack und stopfte alles in ihn hinein, danach  zog ich das Bettzeug ab. Ein letzter Schluck aus der fast leeren Wasserflasche,  ich warf sie in den \u00fcberquellenden M\u00fclleimer. Ein paar Tropfen sind ganz sicher  noch drin. Mein n\u00e4chstes Wasser kaufe ich mir schon in Whangarei. Ich schaute  mich noch mal um, ob ich alles zusammen hatte. Ich entdeckte den Apfel, der  schon seit vier Wochen auf dem Schrank lag.<br \/>\nEin letzter Blick unter das Bett. Dort lagen in einer Ecke  zwei Luftballons und waren nun im Laufe der letzten Wochen eigenartig  verschrumpelt. Auf einem stand eine gro\u00dfe 21, auf dem anderen \u201eHappy Birthday  Sven!\u201c<\/p>\n<p>Das war Paihia\u2026<\/p>\n<h2>Whangarei 11.3.2007 bis 13.03.2007<\/h2>\n<p>Beccy und ich verlie\u00dfen nun also unsere fast neue Heimat Paihia.  Wir warteten keine f\u00fcnf Minuten und schon sa\u00dfen wir im Auto von Jon, einem  D\u00e4nen, der beruflich in Neuseeland unterwegs ist und ein Herz f\u00fcr Backpacker zu  haben scheint. Er nahm uns mit bis ins Zentrum von Whangarei, wo wir dann auf  Lynnique warteten.<br \/>\nLynnique ist eine wei\u00dfe S\u00fcdafrikanerin, die aufgrund der  schlechten Bezahlung in ihrer Heimat nun als \u00c4rztin in einem Krankenhaus in  Whangarei arbeitet. Beccy hat uns bei ihr eine kostenlose Nacht besorgt.<br \/>\nKurze Zeit sp\u00e4ter fanden wir uns auch schon im Vorort  Onehari wieder, in der Lynnique ein Haus gemietet hat und dort residiert.  Jawohl, residiert! Ich habe selten ein so sch\u00f6nes Haus gesehen. Es liegt auf  einem kleinen H\u00fcgel, der einer wundersch\u00f6nen Bucht zugewandt ist. Schaut man  aus dem Fenster, oder besser noch, geht man auf die Terrasse mit Meerblick,  sieht man nicht nur wie die zarten Wellen \u00fcber die Wasseroberfl\u00e4che kr\u00e4useln,  sondern in der Ferne in einem blauen Dunst eine gr\u00f6\u00dfere Bergkette. Hinter dem  Haus befindet sich noch ein kleiner Garten. Wundersch\u00f6n! Die drei Zimmer sind  wunderbar aufgeteilt und sehr gro\u00df; \u00fcberall sind gro\u00dfe Fenster und lassen die  Sonnenstrahlen die Wohnung erhellen (und leider auch jede Menge Insekten  rein!).<br \/>\nLynnique hat immer einen Zw\u00f6lfstundentag und war abends  dementsprechend geknickt, sodass Beccy und ich nur noch mal schnell den Strand  entlang gelaufen sind und als wir wieder oben waren, befand sich Lynnique schon  im Bett (und da sie am n\u00e4chsten Morgen schon um acht Uhr im Krankenhaus sein  musste, sah ich sie nicht noch einmal wieder).<br \/>\nIm diesem Haus wohnt aber auch noch Marie, die Mutter von  vier Kindern (eines davon ist Lynnique), von denen derzeit zwei in Neuseeland  und zwei in S\u00fcdafrika wohnen. Marie schreibt \u00fcber Di\u00e4ten f\u00fcr ein Magazin, das  in Afrikaans erscheint.<br \/>\nSie war es auch, die Beccy und mich am n\u00e4chsten Tag in der  Stadt aussetzte und ich mich im Hostel \u201eThe Mural\u201c einquartierte. Beccy  hingegen entschied sich, nach Auckland zu fahren, da sie in einigen Tagen  weiter nach Chile fliegt.<br \/>\nIch checkte nun also im Mural ein, ein etwas sch\u00e4biger  Schuppen, wo auf einem WC kein Klopapier war und auch das Gem\u00e4lde von Jimi  Hendrix an der Wand nichts daran \u00e4ndern konnte.<br \/>\nIn der Dusche wurde mit schwarzer Farbe der Hinweis \u201eBitte  nicht l\u00e4nger als f\u00fcnf Minuten\u201c an die Wand gemalt. Das soll mal mir wer  verraten, wie das gehen soll, wo doch aus der Dusche so viel Wasser herauskommt  wie bei einer Regenrinne bei mittelstarkem Nieselregen.<br \/>\nIch legte mich noch ein wenig hin und las noch \u201eBin dann mal  weg\u201c von Hape Kerkeling. W\u00e4hrend des Lesens fiel mir ein, dass nicht nur Hape  nicht nur sich selbst finden will, sondern ich schlie\u00dflich auch ein Auto,  deswegen war ich ja hier!<br \/>\nIch machte mich also wieder auf die Socken und stellte auf  einmal fest, dass die Ampeln hier genauso lange rot sind, wie irgendwo anders,  und dass mich das auch genauso st\u00f6rt, wie irgendwo anders.<br \/>\nBevor ich aber ein Auto fand, stolperte ich noch in einen  Second-Hand-Buchladen und fand eine Ausgabe von irgendeinem alten Taschenbuch  (Auflage von 1975) mit vergilbten Seiten von Erich D\u00e4nicken, dem verr\u00fcckten  Alienforscher. Ich kaufte mir dieses Exemplar, denn man wei\u00df ja nie, \u00fcber  welche Erkenntnisse man in seinem Leben noch so stolpern wird.<br \/>\nIch einen Autoh\u00e4ndler nach dem n\u00e4chsten ab und fand  schlie\u00dflich ein gutes Angebot in einem Auktionshaus: Einen dunkelblauen Honda  Inspire. Ich schlief eine Nacht dr\u00fcber und kaufte dieses Exemplar japanischer  Autobaukunst heute (und liebe Autoh\u00e4ndler, Versicherungsangestellte und  sonstiger s\u00e4mtlicher Beamter: das ging richtig einfach, Kreditkarte hin, Auto  zur\u00fcck, dann schnell drei H\u00e4user weiter zur Versicherung. Keine Beh\u00f6rdeng\u00e4nge,  kein Anstehen und alle Leute sind freundlich!)<br \/>\nDa ich das Auto vorher noch habe checken lassen und die  Bremsbel\u00e4ge fast runter sind, ist mein neuer Honda derzeit noch in der  Werkstatt und l\u00e4sst sich reparieren, w\u00e4hrenddessen ich hier im \u201eDickens Inn\u201c  sitze und gem\u00fctlich eine Cola schl\u00fcrfe, Wasserball gucke und nebenbei auf die  Tasten meines Laptops einh\u00e4mmere, um der ganzen Welt mitzuteilen, dass ich im  \u201eDickens Inn\u201c sitze, gem\u00fctlich eine Cola schl\u00fcrfe und Wasserball gucke.<br \/>\nW\u00e4hrend ich hier so sitze, \u00fcberlege ich weiterhin, welches  Business man in Neuseeland aufmachen k\u00f6nnte, um hier den ein oder anderen  Dollar zu verdienen.<br \/>\nPay-TV gibt es schon, einigerma\u00dfen gutes Bier auch\u2026  Schwarzbrot-B\u00e4ckereien vielleicht? Wie viele Schwarzbrote m\u00fcsste ich verkaufen,  um Million\u00e4r zu werden, \u00fcberschlagen zu viele f\u00fcr die paar Kiwis hier.<br \/>\nIch k\u00f6nnte Ampeln erfinden, die nicht rot werden, sondern  pink. Dann w\u00fcrden sich die Leute nicht dar\u00fcber \u00e4rgern, dass rot ist,  stattdessen eher dar\u00fcber, was pink f\u00fcr eine f\u00fcrchterliche Farbe ist. W\u00e4hrend  man dann so vor sich hin brodelt, wird es auf einmal gr\u00fcn und man ist ganz  schnell wieder zufrieden.<br \/>\nMir will die z\u00fcndende Idee einfach noch nicht kommen\u2026<br \/>\nF\u00fcr heute ist noch geplant, dass ich mich in den Honda setze  und irgendwo hinter Auckland wieder aussteige und schlafen lege. Mal gucken,  wie weit ich damit komme!<\/p>\n<h2>Port Waikato 13.03.07 bis 14.03.07<\/h2>\n<p>Port was bitte? Port Waikato ist ein absolut kleines Nest im  S\u00fcden von Auckland an der Westk\u00fcste. Hierher zu finden war die reinste Qual.  Ich habe mehrere Tankstellen befragt und als es keine Tankstellen mehr gab an  beleuchtete Fensterscheiben geklopft.<br \/>\nW\u00e4hrend ich diese Zeilen schreibe, f\u00fchle ich mich wie in  einen Horrorfilm versetzt.<br \/>\nEs wurde langsam d\u00e4mmrig, als ich mit dem Auto an eine  Wegkreuzung kam. Kein Schild, kein Auto, kein Haus. Nur ein Baum, der da so vor  sich herumstand. Ich wartete zehn Sekunden und \u00fcberlegte, welche Richtung ich  einschlagen sollte. Ich fuhr nach links.<br \/>\nW\u00e4hrend es immer dunkler wurde, zogen b\u00f6se Gewitterwolken am  Horizont auf. Als es schlie\u00dflich dunkel war, goss es auf einmal wie aus Eimern.  Der Regen prasselte auf meine Windschutzscheibe und die Scheibenwischer kamen  gar nicht mehr hinterher. Ich fuhr zwanzig Minuten auf einer einsamen Stra\u00dfe  und es regnete, die engen Kurven wanden sich um die Berge und es ging st\u00e4ndig  bergab, auf das Meer zu.<br \/>\nKaum H\u00e4user, schon gar keine Autos und von Menschen weit und  breit nichts zu sehen. Innerlich stellte ich mich schon darauf ein, die Nacht  im Auto zu verbringen. Doch dann pl\u00f6tzlich ein Licht ein paar Meter die Stra\u00dfe  runter. Ein Haus direkt am Meer (wo kam das Meer denn pl\u00f6tzlich her?) und ein  alter Mann sa\u00df an seinem Schreibtisch und arbeitete. Ich stieg aus dem Wagen,  w\u00e4hrend im Haus ein Hund anfing zu bellen. Der Mann \u00f6ffnete die T\u00fcr und deutete  auf die Richtung nach Port Waikato. Ich war richtig, nur noch zwei Kilometer.<br \/>\nAls ich wieder ins Auto stieg, war ich vom Regen v\u00f6llig  durchn\u00e4sst. Ich fuhr in den Ort hinein. Meine Scheibe war beschlagen, sodass  ich fast nichts sehen konnte. Ich fragte wieder an einem Fenster, wo lang es  denn ginge. \u201eErste rechts, dann gleich wieder links\u201c, br\u00fcllte der Mann gegen  den starken Wind an. Ich rannte zur\u00fcck ins Auto, startete den Motor und fuhr  die erste links, dann rechts. Ich sah fast gar nichts und ein Backpacker schon  gar nicht.<br \/>\nWieder stieg ich aus und sprang \u00fcber Pf\u00fctzen zu einem  beleuchteten Wohnzimmer, in dem eine alte Maori-Frau gerade Solit\u00e4r auf ihrem  Laptop spielte. Auf dem Hof kl\u00e4fften Hunde. Die Frau deutete den Weg an, ich  war fast davor. Als ich wieder zum Auto sprang, kam ich sehr nah an einer  Hundh\u00fctte vorbei, die mir gar nicht aufgefallen war. Ein Hund an einer Kette  kam herausgesprungen und biss knapp neben mir in die Luft. Gl\u00fcck gehabt!<br \/>\nEndlich erreichte ich das Backpacker. Im B\u00fcro sa\u00dfen eine  Frau und ein kleiner Junge, der gerade eine Zeichnung anfertigte.<br \/>\nDer Junge hatte rote Haare und Sommersprossen im Gesicht und  irgendetwas stimmte mit ihm nicht. Er schaute hoch und seine blauen Augen  trafen sich kurz mit meinen, ich redete jedoch mit der Frau weiter. \u201eDas Hostel  ist ausgebucht\u201c, sagte die Frau, aber du kannst im Surfer-Haus gegen\u00fcber  schlafen. Ich stimmte zu.<br \/>\nDer Junge erhob sich von seinem Stuhl und pfiff einmal laut.  Wieder kam ein Hund angerannt, diesmal aber nicht bellend. Er leinte ihn an und  lachte mich an, w\u00e4hrend er mit einer Stimme, die klang, als w\u00fcrde er eine leere  Konservendose vor seinem Mund haben, sagte, dass dies sein Hund Daisy sei. Seine  Segelohren standen stark vom Kopf ab und sein ganzer K\u00f6rper wirkte zu klein,  die Proportionen stimmten nicht. Er ging mit der Frau hin\u00fcber zum Surferhaus.  Ich sah ihre Schatten im dunklen Regen verschwinden.<br \/>\nAls ich mit meinem Auto die Einfahrt zum Haus hochfuhr,  warteten sie schon auf mich. Der Junge versuchte den Hund anzuleinen, schaffte  es aber nicht, seine blauen Augen funkelten b\u00f6se.<br \/>\nSeine Mutter erz\u00e4hlte mir, dass dies das Surferhaus sei und  ich in diesem ganz alleine w\u00e4re. Ganz alleine in einem Haus mit vier oder f\u00fcnf  Zimmern. Ich schlafe in einem Ehebett. Es gibt einen Fernseher und ein Radio.  Die W\u00e4nde sind wei\u00df und wirken dadurch sehr steril. Drau\u00dfen spielt der Wind mit  der kleinen W\u00e4scheleine, die immer im gleichen Takt gegen die Hauswand schl\u00e4gt.<br \/>\nAls die Frau losgeht,  hat es der Junge immer noch nicht geschafft, den Hund anzubinden. Er gibt es  auf und trottet hinter seiner Mutter hinterher und schl\u00e4gt mit der Leine auf  den R\u00fccken seines Hundes, welcher dann gleich Sitz macht. Als ich mich noch mal  umdrehe, waren die beiden schon weg und ich sitze nun alleine hier. Drau\u00dfen  prasselt der Regen aufs Dach und der Wind pfeift um die Ecken des Hauses, das  so hellh\u00f6rig wie ein Dixi-Klo ist.<br \/>\nIch gucke auf mein Handy, um nach der Uhr zu schauen und  stelle fest, dass es hier drau\u00dfen keinen Empfang gibt.<br \/>\nEs hat mittlerweile aufgeh\u00f6rt zu regnen, der Wind peitscht  aber nach wie vor durch die\u00a0 kleinsten  Kanten und erzeugt drau\u00dfen die merkw\u00fcrdigsten Laute. Ich habe keinen, dem ich  das erz\u00e4hlen kann, so schreibe ich es nieder, in der Hoffnung, es je jemanden  erz\u00e4hlen zu k\u00f6nnen.<br \/>\nHeute Nacht tr\u00e4umte ich von blauen Augen, die mir beim  Schlafen zugeschaut haben.<br \/>\nAls ich meine Sachen ins Auto bringen will, bemerke ich,  dass die Haust\u00fcr offen ist, dabei bin ich mir sicher, sie abgeschlossen zu  haben\u2026<\/p>\n<h2>Waitomo Caves 14.03.07 bis 15.03.07<\/h2>\n<p>Wieder regnet es wie aus Eimern, dazu ein unangenehmer  Sturm, der \u00c4ste von den B\u00e4umen rei\u00dft und den Regen durchpeitscht.<br \/>\nIch machte heute einen Stopp in Otorohanga, um das Kiwi-Haus  zu besichtigen. Dort soll es die ber\u00fchmten V\u00f6gel geben. Als ich dann so an den  K\u00e4figen vorbei lief, bekam ich schlechte Laune. Ja, die V\u00f6gel sind eingesperrt  und haben nur wenig Platz, aber es regnete und ich rannte da drau\u00dfen mit einem  T-Shirt rum. Mir war kalt und Kiwis sah ich auch keine, daf\u00fcr aber jede Menge  Arten verschiedenster Enten. Je l\u00e4nger ich mir die Enten dann anguckte, umso  gr\u00f6\u00dfer wurde mein Hunger. Schlechter konnte meine Laune nicht werden. Ich  wollte mir keine V\u00f6gel mehr angucken, ich wollte sie essen!<br \/>\nAu\u00dferdem sah ich nur einen einzigen Kiwi-Vogel hinter einer  Glasscheibe (ein besonders kleiner K\u00e4fig) im Laub nach Essbarem picken.<br \/>\nIch checkte dann in meinem heutigen Hostel ein und wollte noch  die Waioma Caves besichtigen, die auch Gl\u00fchw\u00fcrmchenh\u00f6hlen hei\u00dfen.<br \/>\nWaioma hei\u00dft \u00fcbrigens Loch im Berg, in das Regenwasser  eindringt. Es ist schon beeindruckend, wie die Maori mit ihrer Sprache die  Dinge auf den Punkt bringen.<br \/>\nDort angekommen, kaufte ich mir ein Ticket und wollte rein,  doch dann erz\u00e4hlte mir ein Mitarbeiter, dass das aufgrund des Regens und  Sturmes heute unm\u00f6glich sei, da auf dem Weg zu der H\u00f6hle schon der ein oder  andere Ast abgebrochen ist. Na sch\u00f6n, also morgen noch ein Versuch!<\/p>\n<h2>Egmont Village 15.03.07 bis 16.03.07<\/h2>\n<p>Dies ist mein bisher h\u00f6chster Tagebucheintrag. Ich stehe auf  einem Parkplatz in etwa 1400 Metern H\u00f6he auf dem Mt. Taranaki. Wie ich hierher  gekommen bin, kann ab der n\u00e4chsten Zeile gelesen werden\u2026<br \/>\nWie angek\u00fcndigt startete ich morgens um 9:30 Uhr zu den  Waitomo Caves, nicht ohne vorher aber noch Josh gesehen zu haben, dem  ehemaligen Mitbewohner aus Marias Haus. Ja, so ist das hier mit den Zuf\u00e4llen. Herr  Kapeling, das mit den Zuf\u00e4llen ist nicht auf den Jakobsweg beschr\u00e4nkt! Das  musste jetzt mal gesagt werden (wer nicht wei\u00df, was ich gerade meinte, m\u00fcsste  dann mal Nachsitzen und Hape Kerkeling \u201eIch bin dann mal weg\u201c lesen oder es  ganz einfach sein lassen).<br \/>\nW\u00e4hrend es am letzten Vormittag noch drei andere Besucher  waren, die mit in die H\u00f6hle gekommen w\u00e4ren, habe ich an diesem Morgen bei  zwanzig aufgeh\u00f6rt zu z\u00e4hlen. Hat der Lonely Planet Recht gehabt mit dem Hinweis  \u201emeiden Sie die Touren um 9:30 und 16:30 Uhr\u201c. Aber was sollte ich machen? Ich  wollte ja schlie\u00dflich noch nach New Plymouth.<br \/>\nUnser F\u00fchrer entpuppte sich dann als eine Abst\u00e4mmige von dem  Maori, der mit einem Engl\u00e4nder gemeinsam um 1880 die H\u00f6hle erforschte. Na so  was, man k\u00f6nnte fast von Zufall reden. Noch zuf\u00e4lliger scheint da zu sein, dass  fast jeder H\u00f6hlenmitarbeiter von dem H\u00e4uptling abstammt.<br \/>\nDie Frau war dann aber auch lustig zu Gange am fr\u00fchen  Morgen. Liebevoll erz\u00e4hlte sie die Witze, die sie wahrscheinlich schon bei der  9:00 Uhr Tour zum Besten gebracht hatte. Ich lie\u00df es \u00fcber mich ergehen, denn  schlie\u00dflich wollte ich ja noch die Gl\u00fchw\u00fcrmchen sehen.<br \/>\nWie sich herausstellte sind Gl\u00fchw\u00fcrmchen keineswegs diese  s\u00fc\u00dfen, kleinen Tierchen, die in Disney-Filmen immer durch die Gegen schwirren.<br \/>\nIn Wirklichkeit handelt es sich bei ihnen um kleine,  spinnenartige Monster, die in dunklen H\u00f6hlen wohnen und Fallen spinnen, um ihre  Beute zu verspeisen. Nur sieht man im Dunkeln eben nur den gr\u00fcnen Schimmer. Eigentlich  m\u00fcssten sie Gl\u00fchw\u00fcrmer hei\u00dfen, denn mit W\u00fcrmern assoziieren wir viel mehr den  Ekel, der uns bei Regenw\u00fcrmern und Bandw\u00fcrmern den Schauer \u00fcber den R\u00fccken  laufen l\u00e4sst.<br \/>\nEhe ich so \u00fcber die Gl\u00fchw\u00fcrmer nachdachte, war ich zwei  Stunden sp\u00e4ter pl\u00f6tzlich in New Plymouth und logierte im Hostel von Brian.<br \/>\nAls ich laut \u201ehello\u201c rief, kam Brian auf einmal um die Ecke  und stand vor mir. Einen halben Kopf kleiner als ich, graue Haare und einen  Vollbart. Er grinste mich an. Er fragte mich, ob ich eine BBH-Karte h\u00e4tte,  worauf ich mit \u201eyes Brian\u201c antwortete. Sehen wollte er sie nicht. Dann zeigt er  nur fl\u00fcchtig in die Richtung der Duschen und sagte mir, dass ich mir ein Zimmer  aussuchen k\u00f6nnte. Ich bezahlte meine 16 Dollar um gab ihm 21, um nicht soviel  Kleingeld dabei zu haben. Brian verschwand daraufhin f\u00fcr f\u00fcnf Minuten. Ich  guckte mich ein bisschen um und entdeckte einen Schrank voll mit National  Geographic Magazinen, das \u00e4lteste von 1939. Dann entdeckte ich noch ein Zettel,  auf dem stand \u201eWie gut, dass niemand wei\u00df, dass ich Rumpelstielzchen hei\u00df. F\u00fcr  Brian, von Christian\u201c. Brian tauchte kurz danach wieder auf und grinste mich  verlegen an. \u201eSorry Dude\u201c, sagte er und gab mir f\u00fcnf Eindollarm\u00fcnzen zur\u00fcck. \u201eSo,  you are Rumpelstielzchen, then?\u201c, fragte ich ihn. Er grinste wieder breit \u00fcber  beide Backen und zeigte mir seinen Bart, den er zusammen geflochten hinten im  Nacken mit seiner Kopfbehaarung verknotet hatte. Er deutete auf seinen  Bauchnabel und gab mir zu verstehen, dass er einen sehr, sehr langen Bart habe.<\/p>\n<p>Im Hostel machte ich dann Bekanntschaft mit Ulrich aus  Niederbayern und Anna und Seb aus Leipzig.<br \/>\nIch habe selten so humorlose Menschen gesehen, aber es waren  fast die einzigen, die diese Nacht bei Brian schliefen.<br \/>\nUli ist Schreiner und Seb arbeitete im Baumarkt, also  fachsimpelten sie erst einmal \u00fcber Werkzeug. Ich h\u00f6rte aufmerksam zu, da hier  meine Passion f\u00fcr Akkuschrauber und Markenh\u00e4mmer neu erweckt wurde.<br \/>\nNachdem beide nicht mehr wussten, wo du Vor- und Nachteile  zwischen Bosch und Black&amp;Decker sind, begann Seb ein Heftchen heraus zu  holen und f\u00fchrte Buch \u00fcber seine Finanzen.<br \/>\nWie deprimierend das sein muss! Jeder kleinste Cent, der  irgendwo fl\u00f6ten gegangen ist, wird nun im Geiste nochmals ausgegeben. Ich  schaue gew\u00f6hnlich in meine Brieftasche und stelle fest, dass das Geld alle ist,  ich also neues brauche, stelle ich es nicht fest, umso besser.<br \/>\nScheinbar war das in der Tat sehr deprimierend, denn nun  kauten die drei (Anna beteiligte sich diesmal) an den Unterschieden zwischen  Deutschland und Neuseeland aus. W\u00e4hrend sie so sprachen, brachte ich ab und zu  mal eine Floskel und \u00fcberlegte, ob wir Deutschen wirklich so ein schlimmes Volk  sind: Total unh\u00f6flich, unspontan, unrelaxt und einfach viel zu strikt,  durchgeplant undsoweiterundsofort. Ich stellte dabei fest, dass ich dann doch  viel neuseel\u00e4ndischer als deutsch bin.<br \/>\nIch ging ins Bett.<br \/>\nNach dem Aufstehen fuhr ich nochmals nach New Plymouth,  kaufte noch dieses und jenes und fuhr dann auf den Mt. Taranaki.<br \/>\nHier sagt man \u201esieht man den Taranki, wird es bald regnen,  sieht man ihn nicht, regnet es bereits\u201c.<br \/>\nIch habe Gl\u00fcck, es nieselt nur leicht. Ich entschlie\u00dfe mich,  die Dawson Falls anzugucken und ein bisschen rumzuwandern. Es hat mir sogar  Spa\u00df gemacht, da ich die letzten Tage viel zu faul war.<br \/>\nWenn das jetzt meine liebe Mama liest, denkt sie sich  bestimmt, dass wir dann, wenn ich zur\u00fcck bin, mal in den Harz fahren k\u00f6nnen.  Dies lehne ich an dieser Stelle jedoch strikt ab!<br \/>\nDer Weg durch den Urwald war recht steinig und die Wurzeln  waren glitschig, als w\u00e4ren sie mit \u00d6l bekippt worden, es war aber nur Wasser.  Um den Pfad herum war alles voll mit Moos und was nicht voll mit Moos war, wird  sicherlich bald voll mit Moos sein. Ich wanderte dann so vor mich hin, machte  ein paar Bilder und stieg wieder ins Auto, um den bisher h\u00f6chsten Reisebericht  zu schreiben.<\/p>\n<h2>Wanganui 16.03.07 bis 17.03.07<\/h2>\n<p>Weiter ging es dann nach Wanganui. Dort angekommen entdeckte  ich zwei Schweizer, die ebenfalls in meinem Zimmer n\u00e4chtigten, oder ich in  ihrem oder wir in einem. Der eine hie\u00df Simon, der andere Man oder M\u00e4n oder Men  oder wie auch immer. Ein, wie er sagte, romanischer Name. Man h\u00f6rte Schweizer  Hip und hatte lange lockige Haare, die wie eine lockige Per\u00fccke auf seinem  Haupt sa\u00df. Simon und Man erz\u00e4hlten viel und ich verstand wenig. Der Schweizer  Dialekt ist wirklich nicht sonderlich einfach. Xi hei\u00dft zum Beispiel gewesen. Simon  und Man hatten einen Sprachkurs in Christchurch besucht und dort offensichtlich  ein paar Slangw\u00f6rter gelernt, die sie dauernd zum Besten gaben. Wenn einer  sagte \u201eSweetass\u201c (was hier so viel wie okay hei\u00dft), antwortete der andere  \u201eyeah, sweetass, man!\u201c. War lustig, da sie eigentlich die H\u00e4lfte ihrer Worte  einsparen h\u00e4tten k\u00f6nnen, wenn sie sich nicht gegenseitig wiederholt h\u00e4tten.<br \/>\nDas war dann auch der Abend (wir holten Wei\u00dfwein und Bier),  an dem ich zum ersten Mal in meinem Leben Geburtstag mit Schweizern feierte.<br \/>\nAn selbigem machte ich mich dann ohne gro\u00dfe Umschweife auf  den Weg nach Wellington\u2026<\/p>\n<h2>Wellington 17.03.07 bis 20.03.07<\/h2>\n<p>W\u00e4re ich ein Magnet, k\u00f6nnte ich diesen Reisebericht heute  nicht weiter schreiben. Wir Menschen behaupten im Normalfall, Magnete k\u00f6nnen  nicht schreiben, schon gar keine Reiseberichte, und jeder, der das Gegenteil  behauptet, wird gerne verst\u00e4ndnislos angeschaut. Aber darum geht es jetzt gar  nicht, denn w\u00e4re ich ein reiseberichteschreibender Magnet, w\u00fcrde ich jetzt  gerade an einer Wand kleben.<br \/>\nIn Wellington traf ich dann wieder auf Alice, Jaqueline,  Katha, Laila und Sven. Wir fahren mit der F\u00e4hre nach Picton, auf die S\u00fcdinsel.  Um mich herum ist derma\u00dfen viel Stahl, dass wirklich jeder Magnet schlechte  Karten h\u00e4tte, aber da Magneten auch keine Karten spielen k\u00f6nnen\u2026<\/p>\n<p>Am 17.03. war also ein besonderer Tag. Auf der ganzen Welt  feierte man St. Patricks Day und speziell in Wellington zwei Geburtstage. Den  von Alice und meinen ebenfalls. Bevor wir jedoch feierten erkundeten Jaque,  Katha, Laila und ich erstmal die an diesem Tag verregnete Innenstadt  Wellingtons (Sven und Alice steckten noch im Bus).<br \/>\nMan m\u00f6ge es sich vorstellen, dass ich, als einziges  maskulines Wesen mit drei Frauen durch die Fu\u00dfg\u00e4ngerzone Wellingtons stiefelte.<br \/>\nEs war eigentlich sogar ganz lustig. Wir vier gingen in  einen kleinen Laden, in dem es viele verschiedene Dinge gibt, sodass es f\u00fcr den  Laden selbst eigentlich gar keine Bezeichnung gibt. Es war in der Tat sogar der  erste Laden, den ich sah, in dem man einen Pizzaschneider und eine Brille mit  2,5 Dioptrien kaufen konnte. Eine unglaublich neue Erfahrung f\u00fcr mich, zumal es  noch andere Dinge, wie zum Beispiel Taschent\u00fccher oder Puschel gab. Es liegt  jetzt nahe, zu vermuten, es handele sich hierbei um einen Supermarkt. Doch  etwas Essbares gab es definitiv nicht!<br \/>\nWir schlenderten weiter, ich st\u00f6pselte meine Musik ins Ohr  und lie\u00df die drei durch die Gesch\u00e4fte wildern. Scheinbar tat ich ihnen Leid,  denn es ging meist erstaunlich schnell und sie kauften sich nichts.<br \/>\nAm Abend war es dann soweit. Ich bekam ein Brotmesser. Ein  echtes Brotmesser, mit dem bisher Kuchen und Gurken geschnitten wurden, aber  noch kein Brot. Alice bekam Ohrringe.<br \/>\nDie vier anderen gaben sich viel M\u00fche, bliesen Luftballons  auf und dekorierten einen kleinen Tisch mit Tr\u00f6ten und Partyhauben.<br \/>\nNach der Bescherung gingen wir dann abends weg, tranken  unter anderen Guiness und kamen dann irgendwann wieder\u2026<br \/>\nDa es jetzt hier droht, eine blo\u00dfe Aneinanderreihung von  Geschehnissen zu werden, sei es mir erlaubt zu sagen, dass Neuseeland ein sehr  sch\u00f6nes Land mit vielen netten Leuten ist.<br \/>\nWeiter geht\u2019s als mit den Aneinanderreihungen. Am n\u00e4chsten  Tag liefen wir weiter durch Wellintons Innenstadt und kamen dann mal so am  Hafen vorbei, am Ball, der in der Luft zu h\u00e4ngen schien, dann noch hier und  dort, schlie\u00dflich fuhren wir mit dem Cablecar einen Berg hoch und befanden uns  schon im Botanischen Garten. Danach noch schnell das Beehive und  Parlamentsgeb\u00e4ude fotografiert (beides Regierungsgeb\u00e4ude) und schon waren wir  wieder im Hostel.<br \/>\nSo schnell geht also ein Tag in Neuseeland vorbei. Nun, da  schon der 18. M\u00e4rz 2007 ist, ich bereits sechs Wochen hier verweile, muss ich  feststellen, dass die Zeit stillzustehen scheint, w\u00e4hrenddessen die Tage in  einem enormen Tempo weiter ihren Weg durch den Kalender bahnen.<br \/>\nIch m\u00f6chte nun nicht alle Einzelheiten des Tagesablaufes  beschreiben (ich kann mich ehrlich gesagt kaum noch daran erinnern, heute ist  in Wirklichkeit schon der 21. M\u00e4rz, ich war faul und hab kaum geschrieben\u2026),  aber einen Tag sp\u00e4ter verweilten Sven und ich Te Papa Museum (geschlagene f\u00fcnf  Stunden, unbedingt hingehen, wenn man in Wellington ist)<\/p>\n<p>Nun zur\u00fcck zu den Magneten. Diese Worte schreibend  verweilten wir gerade auf der F\u00e4hre von Wellington nach Picton (S\u00fcdinsel) und  Sven hat mich gefragt, ob wir einen Tee trinken wollen, ich sagte ja, machte  mein Notebook aus und weil die Sonne so sch\u00f6n schien, kommt die Aufl\u00f6sung jetzt  erst. Ich bitte um Entschuldigung f\u00fcr Verwirrungen im Hirn des Lesers. Aber  Magneten sind wirklich sehr n\u00fctzlich\u2026 Und nun schon wieder, er guckt mir \u00fcber  die Schulter. Ich sage ihm, dass ich so nicht arbeiten kann, dass w\u00e4re ja  schlie\u00dflich genauso, als w\u00fcrde mir jemand beim Pinkeln zugucken!<br \/>\n\u00dcbrigens f\u00e4llt mir doch gerade ein, dass Katha und ich in  Wellington einen Strafzettel wegen Falschparken bekommen haben. Da stellt man  sich das mal vor. Wir parken auf einem Parkplatz, von einer Ladezone weit und  breit nichts zu sehen. Alles ordnungsgem\u00e4\u00df \u2013 scheinbar!<br \/>\nDenn am Montagmorgen um 9:37 Uhr haben diverse Politessen in  Wellington nichts anderes zu tun, als uns einen 40 Dollar teuren Zettel hinter  den Scheibenwischer zu stecken. Ich hasse teure Zettel und Politessen hasse ich  nun auch. Direkt hinter dem Zettel war unser eingel\u00f6ster Parkschein. Als ich  telefonierte und fragte, was wir falsch machten, stellte sich heraus, dass wir  sage und schreibe etwa 20 Meter weiter h\u00e4tten parken m\u00fcssen. Da f\u00e4hrt man 600  Kilometer von Whangarei nach Wellington um dann h\u00e4tte z-w-a-n-z-i-g Meter  weiter fahren m\u00fcssen.<\/p>\n<h2>Nelson 20.03.07-25.03.07<\/h2>\n<p>Ach, was bin ich doch faul in letzter Zeit. Heute ist nun  schon April und ich schreibe immer noch an meiner M\u00e4rzausgabe. Nun ja, ich  werde die Ereignisse der letzten zwei Wochen sehr gerafft zusammenfassen.<br \/>\nIn Nelson bewohnten wir das Paradiso, das im Sinne eines  Hostels seinem Namen alle Ehre machte, denn im Preis inbegriffen waren neben  den gewohnten Exklusivit\u00e4ten wie warmen Wasser diesmal sogar ein Whir- und  Swimmingpool, ein Beachvolleyballfeld und, man m\u00f6ge es kaum glauben, sogar  Leselampen an den Betten. Welch revolution\u00e4re Errungenschaft an einem  Hostelbett Leselampen zu befestigen und nicht allzu gro\u00dfen Wert auf die  Zentralbeleuchtung zu geben. Wunderbar!<br \/>\nAu\u00dferdem gab es jeden Tag noch ein kostenloses Fr\u00fchst\u00fcck  (Cornflakes, Marmelade usw.) und abends eine Suppe.<br \/>\nAls Sven und ich eines Tages in Nelson durch die Stra\u00dfen  wanderten, plauderte Sven auf einmal mit einem Kanadier, den wir bereits an  unserem dritten Tag in Auckland getroffen hatten. Er sagte, dass er neben  seinem Job in einem kleinen Saftladen (ein Laden, der Saft verkauft!) auch als  Pfleger in einem Krankenhaus arbeitet. Keine f\u00fcnf Minuten sp\u00e4ter schreie ich  \u201eHello Andrea, how are you doing?\u201c Andrea trafen wir bereits in Paihia. Genau  wie Robert aus Irland, der auch bei FourSquare arbeitete (und dort entlassen  wurde, weil er manchmal keine Lust zum Arbeiten hatte) und der in unserem  Hostel schlief.<\/p>\n<p>Da wir nun schon mal in Nelson waren und der Abel Tasman  Nationalpark nur ein St\u00fcndchen von unserem \u201eParadies\u201c entfernt ist, buchten wir  nun also auch prompt einen Kajak-Trip f\u00fcr drei Tage (bzw. wie die M\u00e4dels nur  f\u00fcr zwei Tage).<br \/>\nOh, man verzeihe mir an dieser Stelle eine Abschweifung,  aber wer kann schon von sich behaupten, einen Reisebericht in Neuseeland zu  schreiben, w\u00e4hrend ein Insekt auf dem Laptop-Bildschirm landet. Viele! Aber ich  m\u00f6chte behaupten, dass die wenigstens zuvor ein komplett wei\u00dfes Insekt auf  ihrem Bildschirm hatten. Einfach unglaublich \u2013 komplett wei\u00df mit sechs Beinen  und F\u00fchlern und \u00fcberhaupt wie ein normales wei\u00dfes Insekt; es hinterl\u00e4sst sogar  eine ganz normale Spur, wenn man es zerdr\u00fcckt\u2026<br \/>\nZur\u00fcck zum Nationalpark. Wir paddelten also. Zusammengefasst  hat es sich sehr gelohnt! Das Meer war bis auf einige Ausnahmen sehr g\u00fctig zu  uns (wie auch die Sonne, denn sie schien ununterbrochen, nur nachts nicht\u2026).  Eine Ausnahme bestand in der sogenannten \u201eMad Mile\u201c, wo das Land besonders tief  ins Meer hineinreicht und der von der See kommende Wind etwas gr\u00f6\u00dfere Wellen an  Land schickt. Ich wurde nass, meine Augen tr\u00e4nten vom Salz und Wind und ich  wollte nicht mehr weiterpaddeln.<br \/>\nNach einer kurzen Diskussion mit Sven kamen wir zu dem  Entschluss, welch enorme Vorteile es mit sich bringe, w\u00fcrden wir noch bis zum  Zeltplatz paddeln. Litze und Jaque, die gemeinsam ein Kajak benutzten waren  bereits seit zwei Stunden am Zeltplatz und hatten ihr Zelt aufgebaut. Kurz  hinter der Mad Mile trafen Sven und ich das Kajak mit Katha und Laila drin. Die  beiden waren trocken. Wir wunderten uns, wie sie das geschafft hatten,  w\u00e4hrenddessen die beiden sich wunderten, dass wir so nass sind.<br \/>\nWir bauten dann also auch unser Zelt auf und schliefen  p\u00fcnktlich um 21:00 Uhr ein.<br \/>\nAm n\u00e4chsten Tag trennten sich unsere Wege, Sven und ich  paddelten gem\u00fctlich weiter Richtung Norden und hatten nur eine kurze Etappe vor  uns (von etwa 4 Kilometern, deutlich weniger als am Vortag mit seinen etwa 9  Kilometern).<br \/>\nWas die anderen vier taten konnten wir nur ahnen. Wir  stellten es uns in etwa so vor, dass sie unter enormen Zeitdruck wie wild die  Paddel ins Wasser stachen, um ihr gelbes Wasserdingsbums so schnell wie m\u00f6glich  zum verabredeten Punkt zu bringen, nat\u00fcrlich am Ende v\u00f6llig platt und keuchend.<br \/>\nSven und ich paddelten also ganz gem\u00fctlich die K\u00fcste  entlang, machten hier und dort eine Pause und guckten aufs Meer hinaus (Sven  angelte und guckte aufs Meer hinaus, ich angelte nicht, guckte aber trotzdem  aufs Meer hinaus).<br \/>\nWir sahen w\u00e4hrend des gesamten Trips auch einige Tierchen.  S\u00e4mtliche Insekten und V\u00f6gel, deren Art ich nicht im Stande bin zu bestimmen,  lasse ich mal au\u00dfen vor und beschr\u00e4nke mich auf die Highlights.<br \/>\nW\u00e4hrend wir also so vor uns hin paddelten, glitten auf  einmal zwei riesige Stachelrochen nur wenige Zentimeter unter unserem Boot  hindurch. Von einem Zeltplatz aus sahen wir an einem Morgen auch einige  Delfine, wie sie aus dem glatten Meer heraussprangen und die einzigen gro\u00dfen  Wellen erzeugten. Die Sonne stand noch ganz tief \u00fcber dem Horizont, sodass man  eigentlich nur fast die Silhouetten erkennen konnte. An einem Abend lief mir  auch ein lebendiges Oppossum \u00fcber den Weg. Als letztes Highlight waren dann  nat\u00fcrlich noch Hunderte von Seerobben, die faul auf ihren Felsen lagen und dazu  noch viele kleine Baby-Seerobben, die wiederum aufgeregt in kleinen Buchten hin  und her schwammen und teilweise durch ihre Neugier angetrieben das Boot beschnupperten  uns sich teilweise auch f\u00fcr einen Augenblick ber\u00fchren lie\u00dfen.<br \/>\nZuletzt sahen wir dann noch in einiger Entfernung zum Ufer  einen Igel seine Bahn im Ozean drehen. Er hatte eine sehr bequeme Position  eingenommen, er lag auf dem R\u00fccken, die Beinchen in die Luft gespreizt und lie\u00df  sich von der Str\u00f6mung treiben.<\/p>\n<p>Am Tag unserer R\u00fcckkehr kehrten wir zur\u00fcck nach Nelson. Dort  verbrachten wir eine weitere Nacht.<br \/>\nSven und ich a\u00dfen erst einmal deftig bei McDonald\u2019s,  \u00fcbrigens nach drei Tagen Kajakfahren mit sp\u00e4rlicher Planung eine \u00e4u\u00dferst gute  Idee!<br \/>\nAls wir im Hostel ankamen sa\u00dfen wir dann wieder alle  gemeinsam an einem Tisch (auch wenn wir in dieser Nacht nicht alle in einem  Zimmer schliefen). Dbie M\u00e4dels erz\u00e4hlten uns dann, sie h\u00e4tten einen neuen Job  gefunden, der allerdings in Blenheim w\u00e4re. Sie m\u00fcssten dort Weintrauben ernten.<br \/>\nDaraufhin entschlossen sich Laila und ich das Meer zu  suchen. Dies sollte sich in einer K\u00fcstenstadt wie Nelson eigentlich als nicht  zu schwierig gestalten, aber es war dunkel, ein paar Wolken bedeckten den  hellen Mond und wir wussten nur ungef\u00e4hr, wohin wir zu gehen hatten.<br \/>\nWas wir fanden war eine gro\u00dfe Wiese, wir fanden einen Pfad,  eine Stra\u00dfe und ein Fahrradweg. Wir fanden au\u00dferdem noch eine Bahnschiene und  ein Geb\u00fcsch. Das Meer fanden wir nicht. Doch wir fanden uns!<\/p>\n<h2>Collingwood 26.03.2007 \u2013 28.03.2007<\/h2>\n<p>Auf den Weg nach Collingwood machten sich nur noch Sven und  ich. Jaque war schon auf dem Heimweg (jaja, wieder ein Abschied, aber wir  sagten uns, wir m\u00fcssten uns unbedingt mal in Hamburg treffen) und die anderen  bekanntlich in Blenheim.<br \/>\nCollingwood hat gewisse Vorteile, zum Beispiel die sch\u00f6ne  Landschaft, in die es gebettet ist oder den leckeren Schokoladenkuchen aus dem  einzigen Caf\u00e9 des Ortes (Collingwood liegt in der Golden Bay und hat ziemlich  klein, um die 500 Einwohner, hat aber immerhin ein Museum!) oder die  Tropfsteinh\u00f6hlen, durch die man au\u00dferhalb der Saison sogar alleine gef\u00fchrt  werden kann. Gleich um die Ecke ist dann noch Cape Farewell, der n\u00f6rdlichste  Punkt der S\u00fcdinsel und Whaikata Beach. Dieser Strand ist einfach traumhaft.  Gespannt muss man etwa zwanzig Minuten dorthin laufen, voller Erwartungen auf  den ersten Blick auf die wei\u00dfen D\u00fcnen.<br \/>\nDann, nach einem H\u00fcgel sieht man sie, wie sie zwischen den gro\u00dfen  Felsen an beiden Enden liegen, ganz so, als w\u00fcrde ein wei\u00dfes Leinentuch \u00fcber  die Erde gespannt sein. Durch den st\u00e4ndigen Wind ist der Boden ganz geriffelt  und wirkt wie ein wei\u00dfes Meer direkt vor dem blauen Ozean dahinter. Der Sand  ist weich wie Watte und dennoch trittfest zugleich. Die Felsformationen zeigen  die Jahrtausende der Erosion mit ihren skurrilen Verformungen an den  Vorspr\u00fcngen.<br \/>\nJe n\u00e4her man sich dann dem Meer n\u00e4hrt, umso h\u00e4rter wird der  Sand und auch nasser. Denn die Flut sp\u00fclt sich weit in die D\u00fcnen hinein und  hinterl\u00e4sst meterweit eine absolut glatte Oberfl\u00e4che. Dort funkeln die letzten  Wassertropfen im Glanz der Sonne. Und selbst bei leichtem Wellengang dringen  sie doch noch weit in den Strand hinein, so flach verschmelzen Land und Meer,  bis sich die D\u00fcnen anschlie\u00dfen.<br \/>\nAuf einigen Felsen, die dem wei\u00dfen Sandstrand vorgelagert  sind, wohnen wieder ein paar Seerobben, die sich faul in der Sonne aalen. Sie  haben ihr Paradies gefunden.<br \/>\nImmer wieder zur\u00fcckblickend verlassen wir nach einiger Zeit  den Strand wieder, bis er hinter dem H\u00fcgel ganz und gar verschwindet.<br \/>\nTrotz dieser Vorteile gibt es aber auch einen entscheidenden  Nachteil, Collingwood ist derma\u00dfen klein, dass es keine Apotheke gibt. Das  scheint nun nicht weiter dramatisch zu sein, doch wenn man wie ich von Bedbugs  (kleinen fiesen Insekten, die in Betten, Kleidung usw. leben) zugestochen  wurde, dass ein nicht unerheblicher Teil meines K\u00f6rpers nicht nur rot, sondern  auch gewaltig angeschwollen war, bedauert man es sehr, sicht nicht umgehend mit  Antijuckreizpillen zustopfen zu k\u00f6nnen\u2026<\/p>\n<h2>Blenheim 28.03.2007 \u2013 04.04.2007<\/h2>\n<p>Von Collingwood machten Sven und ich uns dann kratzender  Weise auf den Weg nach Blenheim, wo die M\u00e4dels schon wie wild am Wein ernten  waren.<br \/>\nSvavek aus Polen nahmen wir freundlicherweise auch noch  gleich noch 200 Kilometer mit in unsere Richtung. Wir unterhielten uns ein  bisschen \u00fcber mehr oder weniger belanglose Dinge und fachsimpelten \u00fcber das  Wesen der gemeinen Bedbugs.<br \/>\nW\u00e4hrend ich endlich in den Genuss von Antujuckreizpillen  kam, fuhr das Auto gem\u00fctlich weiter durch die neuseel\u00e4ndische Landschaft  Blenheim entgegen.<\/p>\n<p>Das dumme an Blenheim war, wie wir schnell erkannten, dass  es dort nicht viel mehr als Wein gab. Nat\u00fcrlich sch\u00f6ne Reben, gro\u00dfe und kleine.  Geerntete und solche, die es noch vor sich hatten. Es gab rote Trauben und  wei\u00dfe und gr\u00fcne (dich nicht reif waren). Die Vielfalt dieser zahlreichen  Weintrauben muss gro\u00dfartig f\u00fcr jene gewesen sein, die damit ihr Geld verdienen.<br \/>\nSven und ich wollten allerdings kein Geld verdienen, sondern  vielmehr die letzte gemeinsame Woche mit den M\u00e4dels genie\u00dfen, die Landschaft  bewundern und ein paar Freizeitaktivit\u00e4ten nachgehen.<br \/>\nDementsprechend euphorisch war Sven dann auch, als wir uns  Blenheim n\u00e4herten. \u201eOh, schau mal, Wein\u201c, sagte Sven. \u201eOh, und dort, sieh nur,  noch mehr Wein\u201c, stellte er fest.<br \/>\nMan muss ihm tats\u00e4chlich Recht geben, vielmehr als Wein gibt  es dort einfach nicht.<\/p>\n<p>Laila hatte jedenfalls zwei Betten in Swampys Backpackers  f\u00fcr uns reserviert und wir fuhren erst einmal dort hin. Swampys Rabatt lockte  uns, und so entschieden wir uns, dort eine Woche zu verbringen. Jedoch waren  wir keine zwei Minuten im Hostel als pl\u00f6tzlich eine \u00e4ltere Dame ins Hostel  geschneit kam und fragte, wer an seinem Auto das Licht angelassen habe. Wir  waren es, gingen mit der Alten raus und sie fragte uns ganz nebenbei, ob wir  nicht Lust h\u00e4tten, f\u00fcr 150 Dollar ein bisschen Gras zu kaufen. Wir lehnten ihr  Angebot dankend ab.<br \/>\nKurz danach bezahlten wir f\u00fcr unser Zimmer und wieder kam  jemand ins Hostel gest\u00fcrmt. Sven und ich waren zu diesem Zeitpunkt fast die  einzigen dort, da dieses Backpackers eher als Arbeitsunterkunft f\u00fcr s\u00e4mtliche  Weinarbeiter diente und sich das Hostel erst ab etwa vier Uhr schlagartig  f\u00fcllte.<br \/>\nDer Mann  schaute Swampy an \u201eWe need winepickers for just two days\u201c. Swampy  schaute uns an. Ich schaute Sven an und er mich. Gemeinsam schauten wir dann  alle drei den Mann an und Sven und ich entschlossen uns f\u00fcr zwei Tage  Weinarbeit, mit der wir unsere komplette Woche Hostelaufenthalt refinanzieren  konnten.<br \/>\nWie sich sp\u00e4ter herausstellte, sollten wir nur f\u00fcr einen Tag  arbeiten, was uns nat\u00fcrlich noch mehr zusagte. Unser erster und letzter  Arbeitstag war dann der 31.03.2007.<br \/>\nIn der Zwischenzeit hatten wir ein recht entspanntes Leben,  freuten uns immer, wenn die drei M\u00e4dels v\u00f6llig vom Dreck eingesaut und  \u00fcberm\u00fcdet nach Hause kamen.<br \/>\nSven lebte sich dann auch einigerma\u00dfen gut im Hostel ein, da  die Gegend gut zum Angeln geeignet war und mit Swampy und Grant (dem Manager)  zwei echte Experten vor Ort waren.<br \/>\nMit Grant verscherzte ich es mir allerdings schon am zweiten  Tag. Ich stand sp\u00e4t auf und machte mein Fr\u00fchst\u00fcck w\u00e4hrend der Zeit, in der er  die K\u00fcche putzte. Danach reinigte ich meine Z\u00e4hne, w\u00e4hrend er das Badezimmer  s\u00e4uberte. Er schaute mich die ganze Zeit finster an. Ich entschuldigte mich  aufrichtig und putzte drau\u00dfen weiter. Kurz danach ging ich ins Internet und  stellte fest, dass die Maus nicht ging. Die Zeit lief runter und ich brauchte  Hilfe. Ich wandte mich an Grant. Das war dann der Punkt, an dem ich v\u00f6llig  unten durch war.<br \/>\nIm Nachhinein war es nat\u00fcrlich ein Fehler Grant nach seiner  getanen Putzarbeit (auf die er wohl genauso wenig Lust hatte, wie die Queen auf  ein Treffen mit dem franz\u00f6sischen Ministerpr\u00e4sidenten) bei seinem heiligen  Breaskfast-Tea zu st\u00f6ren.<br \/>\nDie Stimmung war seitdem ein wenig angespannt,  verschlechterte sich aber wenigstens nicht.<br \/>\nSven und ich waren, so kann man sagen, sowieso die einzigen  beiden im Hostel, die eigentlich keiner geregelten Arbeit nachgingen. Abends,  nach der Ernte, debattierten die Bewohner dann \u00fcber ihre unterschiedlich  anstrengenden Arbeitstage.<br \/>\nDie erste Frage war meistens, ob man nach Stunde oder  Kontrakt bezahlt wurde (Kontrakt bedeutet, dass man pro Korb eine Pauschale  bekam und diese dann mit der Anzahl der abgegebenen K\u00f6rbe multipliziert den  Lohn ergab).<br \/>\nDie Kontraktarbeiter waren immer stolz auf sich, wenn sie  mehr K\u00f6rbe als die anderen gef\u00fcllt hatten, das war gro\u00dfartig f\u00fcr sie. Je mehr  desto besser, um noch sogar noch besser, wenn die anderen weniger hatten.<br \/>\nEinen Tag arbeiteten auch die M\u00e4dels nach Kontrakt, was sie  aber bereuten. Sie erz\u00e4hlten, dass, sobald der Startschuss fiel, die  Erntehelfer wie die Hundertmetersprinter auf die K\u00f6rbe st\u00fcrzen und dann einen  gewaltigen Sprint zur n\u00e4chsten Rebe hinlegten und die Weintrauben im Rekordtempo  in den Korb schmissen, um so schnell wie m\u00f6glich den n\u00e4chsten Korb voll zu  kriegen.<br \/>\nLaila freundete sich dort mit einer kleinen Malaysierin an,  denn Laila mopste einfach ihre Trauben. Da das schon gar nicht ging, wie kann  man nur Trauben von einer Rebe pfl\u00fccken, zumal von ihrer Rebe, hatten sich die  beiden in den n\u00e4chsten Tagen nicht mehr viel zu sagen.<br \/>\nDas Verh\u00e4ltnis wurde auch dadurch gespannter, da Laila und  ich mit ihrer Kultur kollidierten. In Malaysia ist es zum Beispiel verboten, in  der \u00d6ffentlichkeit die Hand der Freundin\/des Freundes zu halten.<br \/>\nLustigerweise schliefen die beiden auch noch im selben Raum  und dazu auch noch in den Betten nebeneinander.<br \/>\nDie kleine Asiatin hat sich aber ihr eigenes Reich  geschaffen (in diesem Raum gab es Doppelstockbetten und sie hatte ihren  Schlafsack unter die obere Matratze gesteckt, sodass er wie ein Vorhang ihr Bett  und ihren Schlaf besch\u00fctzte).<br \/>\nDann unterhielt man sich abends auch noch \u00fcber Haschisch,  einen Inder, der einige Weinplantagen besitzt. Man unterhielt sich \u00fcber  verschiedene Trauben und wenn man dann nicht mehr wusste, was man noch sagen  sollte, unterhielt man sich nochmals ausf\u00fchrlich dar\u00fcber, wie viele K\u00f6rbe man  denn an diesem Tag geschafft hatte.<\/p>\n<p>Sechsuhrzw\u00f6lf klingelte mein Wecker und ich machte schnell  Sven wach, da wir heute unseren Arbeitseinsatz hatten und 6:30 Uhr abgeholt  worden.<br \/>\nWir stiegen ins Auto, in dem schon zwei \u00e4ltere M\u00e4nner sa\u00dfen  und in ein Gespr\u00e4ch vertieft waren. \u201eAh, fuck, yes, I fucking hate getting up that early, fuck!\u201d, sagte der  Fahrer. Der Beifahrer pflichtete ihm bei. Sven und ich waren zwar noch  sehr m\u00fcde, aber beide sehr entz\u00fcckt von der Lache und der Ausdrucksweise des  Fahrers. So konnte der Morgen beginnen. Es gab nicht einen Satz, in dem nicht  das Wort \u201eFuck\u201c oder eines seiner Derivate vorkam. Gepaart mit der lustigen  Lache ein lustiges Unterfangen.<br \/>\nWir holten dann noch Pavel ab, ein Backpacker aus der  Schweiz und Maurice, einen 25j\u00e4hrigen Maori aus Blenheim.<br \/>\nGemeinsam fuhren wir etwa eine halbe Stunde zur Weinplantage.  Ich d\u00f6ste noch ein bisschen und tr\u00e4umte von Fuck.<br \/>\nAls wir ankamen, stieg der Fahrer sehr beh\u00e4big aus seinem  Wagen, nicht ohne sich zu beschweren, wie anstrengend das ist (\u201eFuck\u2026\u201c). Der  Fahrer erntet schon seit Jahren Wein und seine Bewegungen machen einen tr\u00e4gen  Eindruck, als ob sie nur zur Weinlese optimiert seien, nicht aber, um normal  aus einem Auto zu steigen.<br \/>\nWir fingen an zu ernten, nach f\u00fcnf Minuten hatte ich keine  Lust mehr und noch neun Stunden Arbeit vor mir.<br \/>\nDie erste Pause war gegen zehn Uhr. Wir sa\u00dfen uns wieder ins  Auto, a\u00dfen etwas, h\u00f6rten dem Fahrer zu (\u201eThose bloody grapes, ah, fuck!\u201c) und  schauten Maurice zu, wie er sich in Ruhe einen Joint baute. Als es kurz danach  mit der Lese weiterging, beschwerte sich Maurice laut \u201eoh man, these brakes  aren\u2019t made for a good joint, man!\u201c.<br \/>\nWir ernteten Sauvignon Blanc und die Trauben lie\u00dfen wir in  wei\u00dfe Plastikeimer plumpsen, auf die man sich zum Gl\u00fcck setzen konnte, um  seinen R\u00fccken zu schonen. (Wir dachten an die M\u00e4dels, wie sich auf Knien kriechend  die Trauben abschnippelten und in zum Sitzen unbequeme K\u00f6rbe schmissen).<br \/>\nDa die Eimer so bequem auch nicht waren und man mitunter  auch im Stehen ernten musste, tat nach einiger Zeit der R\u00fccken weh und ich  freute mich, dass ich nur einen Tag arbeiten musste.<br \/>\nDie Ernte selbst war sehr relaxt, man konnte sich Zeit  lassen und einige Pausen nehmen, die nicht vom Lohn abgezogen wurden.<\/p>\n<p>Als wir den ersten Abend im Backpackers waren, stellte ich  fest, dass zwar alle Leute auf Weinplantagen arbeiteten, aber dennoch alle Bier  en masse tranken. Ich fragte mich im Stillen, warum sie denn keinen Wein  trinken w\u00fcrden.<br \/>\nNach dem Tag kannte ich die Antwort.<\/p>\n<p>Wir ernteten den Wein nach Reihen. Jede Reihe hatte eine  eigene Nummer. Als dann jemand schrie \u201eoh, row 349, I love you!!\u201c, wussten wir,  dass der Feierabend kurz bevor stand (wir starteten nat\u00fcrlich nicht bei Reihe  eins\u2026)<br \/>\nFeierabend hei\u00dft, alles fallen lassen und erstmal zu einer  Scheune zu fahren und Bier trinken und Chips essen. Wie eine gro\u00dfe Familie  sa\u00dfen sie dort alle und tranken ihr Bier und a\u00dfen die Chips \u2013 Maurice drehte  sich wieder einen und der Fahrer fluchte die ganze Zeit (\u201eoh damn, I\u2019m fucking  glad this bloody work has just finished now, ah fuck!\u201c).<br \/>\nNach einer halben Stunde Bierkonsum fuhren wir wieder eine  weitere halbe Stunde nach Hause (\u00fcbrigens bekamen wir die Fahrzeit bezahlt).<br \/>\nAls wir dort ankamen, waren wir zu unserer Verwunderung  nicht ann\u00e4hernd so dreckig, wie es die M\u00e4dels \u00fcblicherweise waren, wir als  Weintraubenschneideranf\u00e4nger.<\/p>\n<p>Das war also der M\u00e4rz des Jahres 2007. Ein weiterer Monat  fernab der Heimat in Neuseeland. Ein weiterer Monat mit vielen Erfahrungen,  Eindr\u00fccken und Erlebnissen\u2026<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hier die Erlebnisse des M\u00e4rz in aller Ausf\u00fchrlichkeit.<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[3],"tags":[19],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/volke.biz\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6"}],"collection":[{"href":"http:\/\/volke.biz\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/volke.biz\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/volke.biz\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/volke.biz\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=6"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/volke.biz\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/volke.biz\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=6"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/volke.biz\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=6"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/volke.biz\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=6"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}