{"id":3,"date":"2008-05-12T00:23:33","date_gmt":"2008-05-11T22:23:33","guid":{"rendered":"http:\/\/volke.biz\/wp\/?p=3"},"modified":"2008-08-04T10:23:08","modified_gmt":"2008-08-04T08:23:08","slug":"russland-st-petersburg","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/volke.biz\/wp\/russland-st-petersburg\/","title":{"rendered":"Russland (St. Petersburg)"},"content":{"rendered":"<p>Russlandreise vom 19.04.2006 ? 26.04.2006 oder wenn man will auch schon ab dem 18.04.<\/p>\n<p>  0.\tTag 18.04.<br \/>  An dem wir losfuhren und gleichzeitig auch wieder angekommen sind.<\/p>\n<p>  Gott begann mit seiner Sch\u00f6pfung am ersten Tag. Ich hingegen schon mit dem 0. Tag der Aufzeichnung meiner Memoiren. Denn es gibt einen triftigen Grund, mit dem nullten Tag zu beginnen. <br \/>  Der nullte Tag ist somit der Tag, an welchem wir losfuhren und gleichzeitig auch wieder angekommen sind. Abfahrt war gegen sieben Uhr Florian-Geyer-Stra\u00dfe 18, unseren Scheitelpunkt erreichten wir in Ziesar und kehrten von dort wieder nach Hause zur\u00fcck: Wir haben unseren Flug verpasst, weil auf der A2 eine Vollsperrung war und diese uns auf gemeinste Art und Weise an der freien Durchfahrt nach Berlin-Tegel hinderte. Das Ergebnis war, dass wir uns vor Schreck erst einmal ein Br\u00f6tchen bei B\u00e4cker Otto holten. Da nun der restliche Tagesablauf mit der Russlandreise nur minderwertig zu tun hatte, sehe ich an dieser Stelle davon ab, weiter von meinen t\u00e4glichen Gewohnheiten zu berichten. <\/p>\n<p>  {page}  1.\tTag 19.04.<br \/>  An dem wir losfuhren und gleichzeitig auch angekommen sind, sich aber schnell drei Fragen stellten.<\/p>\n<p>  Der erste Tag begann wie der vorige ? mit dem Unterschied, dass wir Tegel problemlos erreichten und diesmal auch unseren Flug schafften. Beim Check-In verlangten wir die Reihe 12. Sollte in naher Zukunft jemand der Leser mit flydba nach Moskau reisen, sollte er ebenfalls die 12. Reihe verlangen, da hier das Wunder der Beinfreiheit in Flugzeugen herrscht. Grund daf\u00fcr ist der Notausgang. Die weiteren Vorteile der Reihe 12 liegen somit bei etwaigen Katastrophen auf der Hand&#8230;<br \/>  Nachdem wir losfuhren und dann in Moskau angekommen waren, stellten sich mir auch schnell drei Fragen. <br \/>  Erstens: Warum m\u00fcssen russische Autos immer eine so verdammt laute Alarmanlage haben, die sich auch einschaltet, wenn man das Auto lediglich \u00f6ffnet oder abschlie\u00dft. <br \/>  Zweitens: Warum haben russische LKWs ihr Kennzeichen noch einmal in Gro\u00dfbuchstaben an ihrem Heck stehen?<br \/>  Drittens: Warum rei\u00dfen russische Einzelhandelsfachkr\u00e4fte den Bon immer an?<br \/>  Ich versuche dem Leser im Laufe dieses Berichtes diese drei elementaren Fragen zu beantworten, denn wozu bin ich schlie\u00dflich nach Russland gefahren?<br \/>  Vom Flughafen holte uns Rais (sprich: Ra-Is) ab, ein Taxifahrer in den 30ern. Er war es auch, der den Koffer in den Kofferraum hievte. Rais hatte schwarze Haare, war nicht der Gr\u00f6\u00dfte und eher schm\u00e4chtig; zur Bedienung des Taxis sollten sich seine k\u00f6rperlichen Nachteile aber nicht nachteilig auswirken. <br \/>  Da der Tag in der Tat schon sehr anstrengend war (im Auto und Flugzeug herumsitzen) befiel mich noch in Moskau eine kleine M\u00fcdigkeitsattacke. Ich bekam nur noch wenig davon mit, dass in der Gegenrichtung trotz der f\u00fcnf Spuren mal wieder Stau war und auch, dass am Stra\u00dfenrand wieder das ein oder andere Feuerchen brannte (was nicht alles so verheizt wird; Autoreifen qualmen besonders gut), tangierte mich nicht sonderlich. Ich schlief schlichtweg ein. Ich tr\u00e4umte davon, dass es nochmals vier Stunden dauern w\u00fcrde, bis wir Yaroslavl erreichen w\u00fcrden. <br \/>  Nach einer Stunde wurde ich dann aber schon wach. Durch die ung\u00fcnstige Stra\u00dfenbeschaffenheit klatschte mein Kopf st\u00e4ndig gegen das Fenster. Und wer schon einmal diese monotone Erfahrung (buff-buff-buff) gemacht hat, wei\u00df, dass das ziemlich unangenehm ist und es sich mit Kissen und sch\u00f6ner Matratze wesentlich besser schlafen l\u00e4sst. Die n\u00e4chsten drei Stunden beobachtete ich also den Verkehr auf der einzigen Stra\u00dfe zwischen Moskau und Yaroslavl. Es war zwar nicht ganz so aufregend wie ein Freundschaftsspiel im Schachsport, aber wenigstens wurde mir nicht langweilig. Bei den waghalsigen \u00dcberholman\u00f6vern dr\u00fcckte ich jedenfalls immer dem LKW-Fahrer die Daumen, dass er den schnellen Passat vielleicht doch mal einen mitgeben w\u00fcrde. Die Fahrt verlief aber ruhig und wir erreichten unser Ziel dann doch noch irgendwann.<br \/>  Vaters Wohnung befindet sich ein wenig abseits der Stra\u00dfe, sodass man erst \u00fcber einen kleinen Hinterhof zum Eingang gelangt. Die Beschreibung des Hofes \u00fcberlasse ich aber meinen grandiosen fotografischen F\u00e4higkeiten.<br \/>  Nachdem wir die Eingangst\u00fcr zum Haus passiert hatten, sah ich erst einmal gar nichts mehr. Es war n\u00e4mlich dunkel. Es gibt zwar einen Lichtschalter, \u00fcber dessen Funktion l\u00e4sst sich jedoch streiten. Der Flur war dann ganz in Ordnung, es stank nicht und wenn man wusste, an welchen Stellen die Fliesen ausgebrochen waren, war auch die Stolpergefahr eher gering. <br \/>  Die Wohnung machte dann aber schon einen guten Eindruck auf mich. Vater meinte, sein Schlafzimmer w\u00e4re fr\u00fcher eine Sauna gewesen. Dieses Indiz und jenes, dass unter einem Tisch ein Lichtschalter mit Dimmer ist, lie\u00df Vater schlussfolgern, dass er in einem ehemaligen Etablisment untergebracht ist&#8230;<br \/>  Der Rest des Tages verlief eher unspektakul\u00e4r: wir waren essen und dann schlafen.<\/p>\n<p>  {page}  2.\tTag 20.04.<br \/>  An dem ich mir die erste Frage noch einmal stellte und wir schon wieder losfuhren.<\/p>\n<p>  Die Wohnung, in der Vater haust, ist in der Wintersaison sehr stark beheizt. Da ich im Wohnzimmer schlief, war dies also der hei\u00dfeste Ort. Versuche, die Heizung niedriger zu drehen, werden mit heftigen Protesten der anderen Mieter quittiert, da es sich hier um eine Zentralheizung handelt und alle, die hinter der ausgedrehten Heizung wohnen, kein warmes Wasser mehr kriegen.<br \/>  Ich \u00f6ffnete also am Abend s\u00e4mtliche Fenster und begann so meinen Tag schon um f\u00fcnf Uhr morgens aus genau zwei Gr\u00fcnden: Ich stellte mir die erste Frage und ein Zwitschervogel nervte mich unglaublich mit seiner Auffassung vom Singen. <br \/>  Nachdem die Fenster geschlossen waren, wachte ich erst um 11:15 wieder auf und bereitete mich mental auf die Reise nach St. Petersburg vor (Fernsehgucken und Lesen). <br \/>  Als vier Stunden sp\u00e4ter Vater von der Arbeit kam, pilgerten wir noch einmal durch Yaroslavl und Vater zeigte mir jenen legend\u00e4ren Ort, an dem er zehn Tage zuvor spektakul\u00e4r \u00fcberfallen wurde. <br \/>  Ich erfuhr weiterhin die Antwort auf die dritte Frage. Kauft mit irgendwo in Russland eine Dienstleistung, eine Ware oder ein Bier, so bekommt man meist einen Kassenzettel ausgeh\u00e4ndigt, welcher prompt von der Kassiererin angerissen wird. <br \/>  Die Ursache daf\u00fcr ist wie so oft in der Vergangenheit zu finden. In Lebensmittell\u00e4den (produkti) war es \u00fcblich seine Ware an einer Theke zu bestellen. Man bekam sie aber nicht sogleich ausgeh\u00e4ndigt, sondern vielmehr einen Zettel, auf dem die gekauften Gegenst\u00e4nde ordentlich aufgelistet waren. Mit diesem Dokument ging man dann zur Kasse, an der eine ausgebildete Buchhalterin (bzw. Kassiererin) sa\u00df und die Rubletten entgegennahm. Jetzt erst bekam man den Bon, mit welchem man dann wieder zur Theke zur\u00fcckging. Dort erhielt man seine Waren und die Frau hinter der Theke riss den Kassenzettel an. Die Wanderung zwischen Kasse und Theke hat sich heute weitestgehend aufgel\u00f6st ? \u00fcbrig geblieben ist nur das Rudiment des Rei\u00dfens. <br \/>  Eine weitere Beobachtung, die ich an jenem Tage machte, waren die Trinkgewohnheiten der Einheimischen. Obwohl bisweilen in anderen Weltm\u00e4chten der Verzehr alkoholischer Getr\u00e4nke in der \u00d6ffentlichkeit strikt untersagt ist, gibt es auch andere L\u00e4nder mit dementsprechend anderen Sitten. Hierzulande ist es daher \u00fcblich, neben seiner Freundin an der rechten Hand, eine Bierflasche in der linken Hand spazieren zu f\u00fchren. Dieses Ph\u00e4nomen ist jedoch keineswegs auf M\u00e4nner beschr\u00e4nkt. Auch Frauen fr\u00f6nen dem Konsum des Gerstensaftes auf offener Stra\u00dfe. Ein guter Vergleich bietet sich hier mit unserer Kultur an. Sobald bei uns die ersten warmen Sonnenstrahlen durch die noch kahlen Baumkronen funkeln, trifft man allerorts Deutsche mit leckeren Eist\u00fcten. Die Russen bevorzugen nach dem kalten Winter jedoch ein sch\u00f6nes K\u00fchles open-air. Dies soll nicht hei\u00dfen, dass w\u00e4hrend der kalten Jahreszeit kein Alkohol konsumiert wird&#8230;<br \/>  Am Abend wurden wir zum Bahnhof gebracht, wo schon der Zug auf uns wartete. <\/p>\n<p>  Nun sitze ich hier im Zug und schwanke gleichm\u00e4\u00dfig mit den Bewegungen der Gleise. Die Ger\u00e4usche der R\u00e4der auf den Schienen, die Sinfonie der Eisenbahn. Ich betrachte mein Spiegelbild in der dunklen Scheibe ? dahinter die ewige russische Ferne, welche nur zu erahnen ist. Es ist 23:30. Seit einer Stunde sitzen wir in der Bahn. Um acht Uhr gibt es Fr\u00fchst\u00fcck. Um elf Uhr erreichen wir St. Petersburg.<\/p>\n<p>  {page}  3.\tTag 21.04.<br \/>  An dem wir nette Leute trafen, mein Vater sich der Verg\u00e4nglichkeit der Moderne bewusst wurde und wohl sogar Lenin Geburtstag hatte.<\/p>\n<p>  Unser Abteil war ausgezeichnet ausgestattet. Es hatte einen Fernseher, ausreichend Licht und war sauber. Auch die Betten waren schon bezogen und ein kleines Lunchpaket stand auf dem Tisch bereit, dennoch hat ein Hamster in seinem H\u00e4uschen mehr Platz. <br \/>  Die concierge ? oder dezhurnaya wie die ?Zugfrau? hier genannt wird ? versorgte uns gegen neun Uhr morgens mit Gem\u00fcse, warmen Kartoffeln, einem kleinen St\u00fcck Fleisch und Br\u00f6tchen. Es schmecke \u00fcberhaupt nicht, aber immerhin gab es etwas zu essen. Die Frau war sehr freundlich!<br \/>  Der Zug erreichte den moskovski voksal p\u00fcnktlich und wir fuhren mit der metro zu unserem Hotel pribaltiyskaya. Die Metro-Station und das Hotel trennen ca. zwei Kilometer, die wir mit dem Bus zur\u00fccklegten. Erst fragten wir einen \u00e4lteren Herrn, wo es zum Hotel gehe und er wies uns den Weg, sah dann aber pl\u00f6tzlich den Bus und schob uns regelrecht in diesen hinein. Im Bus fragten wir, ob dieser zum Hotel fahre, was uns bejaht wurde. Als wir das Hotel erreichten, sagten uns der Fahrer, die Kartenfrau und ein paar Passagiere, dass wir unser Ziel erreicht h\u00e4tten. Im Laufe des Tages wies ein Jugendlicher sogar meinen Vater noch darauf hin, dass seine Schn\u00fcrsenkel offen waren. Nicht vorzustellen, was h\u00e4tte passieren k\u00f6nnen, wenn jemand auf den sehr vollen Stra\u00dfen auf Vaters Schn\u00fcrsenkel getreten w\u00e4re. Peinlich, peinlich&#8230;<br \/>  Das pribaltiyskaya war vor 20 Jahren eines der Hotels, die ein DDR-B\u00fcrger in St. Petersburg als ?upper-class? bezeichnet h\u00e4tte. Mein Vater war DDR-B\u00fcrger und war in diesem Hotel und fand es modern. Als wir davor standen wurde meinem Vater die Verg\u00e4nglichkeit der Moderne bewusst und dass es jetzt weniger erstrebenswert sei, unbedingt hier n\u00e4chtigen zu m\u00fcssen. Damit kein falscher Eindruck entsteht, das Hotel ? ca. 1200 Betten ? ist immer noch ein gutes Hotel mit einem guten Komfort; nur ist es eben aufgrund der Gr\u00f6\u00dfe keineswegs erstrebenswert dort zu n\u00e4chtigen. Die Zimmer waren simpel eingerichtet aber die wei\u00dfen Frottee-Handt\u00fccher waren grausam; sie waren mit jener komischen Sorte Waschpulver gewaschen, die die Handt\u00fccher zum ?Knirschen? bringt. Wer wei\u00df wovon ich rede, kann sicherlich mitf\u00fchlen, wie grausam das Abtrocknen war; wer nicht bescheid wei\u00df, kann hingegen froh sein.<br \/>  Nach einer Dusche gingen wir zum Nevsky prospekt, der hiesigen Hauptstra\u00dfe, auf der nat\u00fcrlich kapitalistische Kommerzeinrichtungen \u00e1 la McDonalds, Hugo Boss, Mango und Fujifilm nicht fehlen durften. Wir schlenderten an dieser und jener Sehensw\u00fcrdigkeit mal so eben vorbei und dachten uns, dass das eine sch\u00f6ne Statue oder ein gro\u00dfes Geb\u00e4ude sei. Auf dem Dvortsovaya ploshchad (dem Platz vor der Ermitage) gab es jede Menge Soldaten. Wir fragten uns, warum denn so viele von jenen da so einfach herumliefen. Als guter DDR-B\u00fcrger meinte mein Vater, dass Lenin Geburtstag haben und dass das der Grund  gewesen sein k\u00f6nnte, warum hier 1000 russische Armisten ihr Unwesen trieben. Ordentlich in Reihe und Glied sorgten sie daf\u00fcr, dass der durchaus gro\u00dfe Platz vom gemeinen Volk verschont blieb. <br \/>  Als kleines Schmankerl des Tages darf nicht unerw\u00e4hnt bleiben, dass ein Russe afrikanischer Abstammung in einem traditionellen Gewand versuchte, Besucher in ein Schokoladenmuseum zu lotsen. Ein Deutscher, der immer sofort an seine unehrw\u00fcrdige Geschichte erinnert wird, darf hier ruhig einmal schmunzeln.<br \/>  Weiterhin war ich positiv \u00fcberrascht, dass es in St. Petersburg ein Goethe-Denkmal gibt ? neben einer Lutherschen Kirche direkt am Nevsky prospekt. <br \/>  F\u00fcr morgen habe ich beschlossen einen Notizblock mit auf die Piste zu nehmen. Aber ich habe mir auch vorgenommen f\u00fcr meine Mathe-Nachpr\u00fcfung zu lernen&#8230;<\/p>\n<p>  {page}  4.\tTag 22.04.<br \/>  An den wir im Bernsteinzimmer standen, aber um dorthin zu gelangen vorher noch mit dem Vorortzug gefahren sind, in dem viele H\u00e4ndler verschiedenste Sachen angeboten haben und es im Allgemeinen ein sehr erlebnisintensiver Tag war, von dem ich hoffe m\u00f6glichst wenig beim Beschreiben vergessen zu haben.<\/p>\n<p>  Der Tag begann wie ein Tag beginnen sollte: Mit dem Fr\u00fchst\u00fcck. Da wir in einem 4-Sterne Hotel n\u00e4chtigten, kam es mir merkw\u00fcrdig vor, als auf einmal ein Russe vor mir stand. Das ist eigentlich weniger verwunderlich, zumal wir ins auch in Russland aufhielten; aber dieser Russe unterschied sich ein wenig von der typischen Gesellschaft eines 4-Sterne Hotels. Was ihn zu einem lustigen Russen machte, war die Tatsache, dass er zum Fr\u00fchst\u00fcck in einer lockeren Jogging-Hose und Pantoffeln erschien. Mein Vater kl\u00e4rte mich auf, dass dies eine russische Sitte sei und dass er so was \u00f6fter erlebe. <br \/>  Als ich mir ganz gem\u00fctlich meine hei\u00dfe Schokolade heruntersp\u00fclte sah ich weitere Russen. Dies war wiederum daran zu erkennen, dass sie sich schon zum Fr\u00fchst\u00fcck statt Apfel- einen Gerstensaft g\u00f6nnten.<br \/>  Es gab noch eine Sachen, die merkw\u00fcrdig war. Der gestrige Tag war in der Tat sehr verregnet und wir quittierten es mit Freuden, dass heute drau\u00dfen die Sonne schien. Jedoch fragten wir uns, warum die Stra\u00dfe nur so nass war. Es war nur die Hauptstra\u00dfe, welche von einer w\u00e4ssrigen Schicht bedeckt war. Wir guckten zum Himmel ? strahlend blau. Wir guckten zur Stra\u00dfe und sahen einen LKW, der nichts weiter tat, die komplette Stra\u00dfe zu ben\u00e4ssen. Aha!<br \/>  Danach fuhren wir mit der metro zur pushkinskaya. Das besondere an metros russischer Bauweise ist die Tiefe, in der sich die Z\u00fcge befinden. Eine Messung ergab, dass wir uns 2 Minuten und 53 Sekunden auf der Rolltreppe abw\u00e4rts aufhielten. Vor Langeweile wei\u00df man nicht, was man tun soll und schaut sich mal so die Leute an, die einem dabei entgegenkommen. Das kann lustig sein. Man sieht sitzende Leute, gehende Leute, rennende Leute; Leute, die einen angucken, die weggucken, die Musik h\u00f6ren. Leute mit grauen Haaren, mit M\u00fctzen, langen oder kurzen Haaren. Es gibt Leute mit Bart und ohne, mit Jacken, Pullis, Schals, Jeans, Faltenhosen und mit Koffer. Viele Leute haben andere Leute an der Hand und knutschen, andere sind alt und knutschen nicht mehr. Leute, die vertr\u00e4umt herumgucken oder sich konzentriert die Werbung durchlesen; andere lesen Zeitung, B\u00fccher, Magazine. Manche tragen eine Gitarre auf dem R\u00fccken, andere einen Rucksack und wieder andere ihr Kind. Die Vielfalt derer, die man in der Metro zu Gesicht bekommt ist grenzenlos. Einen alten Mann habe ich zum Beispiel gar nicht erst zu Gesicht bekommen, weil sein Anlitz mit einem grauen, langen, filzigen Bart verwuchert war. <br \/>  In der metro dann stand ich vor einem Sitzplatz, auf dem sich ein junger Mann ein Bier genehmigte. Als es alle war, zerknautschte er die Dose, dabei lief Bier auf seine Hose. Er guckte sich verlegen um und ich grinste ihn an. Er stand auf und stie\u00df dann auch noch mit dem Kopf gegen die Stange zum Festhalten. Der Geruch nach Bier auf der Hose folgte ihm, als er herausging.<br \/>  Nachdem es mein Vater mit mehr oder minder gro\u00dfem Aufwand schaffte, ein Ticket nach Puschkin zu ordern, der Stadt, in der mit dem Yekaterinensky dvorets (Katharinenpalast) auch das Bernsteinzimmer ist, stiegen wir in den Vorortzug. <br \/>  Wir fuhren zwar hin und zur\u00fcck, aber ich fasse die Fahrt als Ganzes auf und berichte im Folgenden lediglich von der Fahrt mit dem Vorortzug, ohne Acht auf die Richtung zu geben ? das spielt n\u00e4mlich keine Rolle. <br \/>  Wer h\u00e4tte gedacht, dass eine Fahrt mit dem Vorortzug ein Touristenhighlight sein k\u00f6nnte? Es ist auf jeden Fall zu empfehlen, da man hier wohl der einzige Tourist ist und von Russen umgeben ist, die hier in freier Wildbahn ihrer Allt\u00e4glichkeit fr\u00f6nen. Es darf jedoch nicht unerw\u00e4hnt bleiben, dass das Kaufen der Karten f\u00fcr Leute, deren Russischkenntnisse gegen Null streben ein genauso gro\u00dfes Abenteuer wie die Fahrt mit dem Vorortzug selbst sein d\u00fcrfte&#8230;<br \/>  Als der Zug losfuhr, begann das Showprogramm. Zuerst spielte ein junger Kerl fr\u00f6hlich mit seiner Gitarre und sang dazu kr\u00e4ftig und mit lauter Stimme ein russisches Lied. Fast jeder im Wagon spendierte ihm ein paar Rubel f\u00fcr den Auftritt. Er hatte den Wagen noch nicht einmal verlassen, da erhob sich ein weiterer Mann und wollte seine Brillen an den Mann bringen. Als er den Wagon verlie\u00df, dauerte es nicht lange, bis ein Dritter seine Waren anbot. Aus seiner Tasche zauberte er einen Schraubenzieher. Danach ein Kartenspiel und ein Paar Handschuhe. Schlie\u00dflich holte er noch Socken raus und Reinigungsmittel. Zuletzt versuchte er die Reisenden mit Deo-Spray zu beeindrucken. Er gab sich soviel M\u00fche seine Ware anzupreisen und war ganz entt\u00e4uscht als keiner im Abteil den Anschein von Interesse erweckte. Mit trauriger Miene und ohne Verdienst zog er weiter.<br \/>  Als ich durch den Zug blickte, sah ich Gesichter, die schliefen oder lasen oder l\u00e4chelten. Aus einigen funkelten die Goldz\u00e4hne, bei anderen gab es nichts, was h\u00e4tte funkeln k\u00f6nnen. Neben mir naschte ein Junge die ganze Zeit Knabberzeug. Gegen\u00fcber sa\u00df eine Frau mit Kind auf dem Scho\u00df und einer Disney-Zeitschrift. Das Kind z\u00e4hlte flei\u00dfig die Dalmatiner, die auf einem Bild zu sehen waren.<br \/>  Schr\u00e4g zu mir sa\u00df ein Mann. Aus seiner linken Jackentasche hingen Handschuhe und aus seiner rechten eine Flasche Bier. Der Mann, das stand jedenfalls fest, hatte absolut einen \u00fcber den Durst getrunken. Er hob die Bierflasche und tat einen weiteren kr\u00e4ftigen Zug. Er merkte es schon gar nicht mehr, dass das Bier aus seinem Mundwinkel herunter floss und ihm von da aus auf die ausgewaschene Lederjacke tropfte. Als er dann einen Fahrschein kaufen musste, suchte er verzweifelt und sehr langsam nach seiner Brieftasche, in welcher er dann genauso verzweifelt einen Zehn-Rubel-Schein suchte. Dann gab er sich gr\u00f6\u00dfte M\u00fche die Brieftasche wieder in die Innenseite der Jacke zu bugsieren. Er verga\u00df, auf welcher Seite die Innentasche war und tastete erst einmal die rechte Jackenseite ab. Nachdem er dann irgendwie festgestellt hat, dass es noch eine linke Seite geben musste, schob er sie dann schlie\u00dflich doch noch hinein. Danach wollte er den Rei\u00dfverschluss der Jacke zumachen. Seine Augen waren geschlossen, was sich als schlechte Idee herausstellen sollte, denn wie konnte er nun erkennen, wo der Rei\u00dfverschluss war? Er tastete auf Brusth\u00f6he nach dem Rei\u00dfverschluss und fand ihn nicht. Das schien ihm dann jetzt alles ein wenig zu stressig zu werden und er machte eine kleine Pause. Nach etwa drei Minuten startete er einen neuen Versuch, die Jacke zu schlie\u00dfen und suchte diesmal auf der H\u00f6he des Bauches und freute sich sichtlich, als er auf den Rei\u00dfverschluss stie\u00df. Behutsam zog er ihn dann bis zum Kinn hoch. Jedoch sollten sich die Dinge wieder zum Schlechten wenden als er wehm\u00fctig feststellte, dass sein Bier alle war. Kurz danach stieg er aus. Zur\u00fcck blieb nur seine Fahne. <br \/>  W\u00e4hrend dessen kam ein weiterer Verk\u00e4ufer durch das Abteil und pries seine Schirme an. Ich verstand nicht, was er erz\u00e4hlte; aber da er seine Schirme vier Minuten lang vorstellte, m\u00fcssen es wirklich gute Schirme gewesen sein mit vielen Extrafunktionen. Einer Frau gefiel der Schirm und lies ihn sich vorf\u00fchren. Man konnte ihn auf- und zuspannen. Wahrscheinlich perlt sogar Wasser an ihm ab. Die Frau schaute sich die verschiedenen Farben an und entschied sich dann zur Freude des Schirmverk\u00e4ufers auch, einen zu kaufen. <br \/>  Als n\u00e4chstes kam eine Frau herein, die irgendwelche G\u00fcter aus dem Baltikum verkaufen wollte, ihr folgte einer, der gebrannte DVDs verh\u00f6kerte. <br \/>  Als ich in Gedanken versunken aus dem Fenster starrte, furzte auf einmal etwas sehr laut. Neugierig sah ich mich um und sah einen H\u00e4bndler, der seine Ware vorf\u00fchrte: Es waren fliegende Luftballons. Er blies einen l\u00e4nglichen Luftballon auf und lies ihn quer durch das etwa 20 Meter lange Abteil fliegen. Die G\u00e4ste machten dem Luftballon platz, sodass er nicht an ihren K\u00f6pfen landete. Einige waren sichtlich am\u00fcsiert und andere fanden es weniger originell. Es gab aber tats\u00e4chlich einige Fahrg\u00e4ste, die diese Erfindung bereitwillig in das Sortiment ihres Besitzes aufnahmen. <br \/>  Als wir dann in Puschkin ankamen, brachte uns Taxifahrer Valerie zum Palast. Er erz\u00e4hlte uns, dass er ein ehemaliger Marineoffizier gewesen sei. Er konnte ein bisschen Englisch und so mischten sich st\u00e4ndig englische Brocken in seinen Redefluss. Seine Stimme klang, als ob er sich ausschlie\u00dflich von Zigaretten und Wodka ern\u00e4hren w\u00fcrde. <br \/>  Der Palast war in der Tat sehr prunkvoll und ist daher auch sehr empfehlenswert. F\u00e4hrt man jedoch nicht mit der Vorortbahn, verpasst man aber ein St\u00fcck russischer Kultur. <br \/>  Wir erfreuten uns dann, dass wir den Zweck unserer Reise erf\u00fcllt hatten; wir wollten das Bernsteinzimmer sehen. Als kleinen Bonus sahen wir einen weiteren ber\u00fchmten st\u00e4hlernen Deutschen: Ernst Th\u00e4lmann stand stramm in einem Park in Puschkin und schaute mit geballter Faust auf die Fu\u00dfg\u00e4nger herab.<br \/>  Den Rest des Tages schlenderten wir durch Petersburg (z.B. zum Smolny monastyr). <br \/>  Gegen Abend sahen wir immer mehr individuelle K\u00fcnstler auf den Stra\u00dfen. Es gab einen M\u00e4dchenchor, bestehend aus vier jungen Damen, die sich wohl einen Spa\u00df daraus machten, schlecht zu singen. Weiterhin gab es mehrere Musiker, die dann doch qualitativ besser waren. Zwei Leute tanzten auch miteinander. Auf den B\u00e4nken sa\u00dfen zahlreiche Menschen mit ihrem Bierchen und schauten dem Treiben auf dem Nevsky prospekt zu. <br \/>  Meine letzte erw\u00e4hnenswerte Amtshandlung war f\u00fcr heute, dass ich Leipi anrief und mit breitem Grinsen fragte, was er denn gerade tue (Anm. d. Red.: Leipi schrieb am darauf folgenden Montag sein Deutsch-Abitur) und ihm sagte, dass wir das Bernsteinzimmer besichtigt hatten.<\/p>\n<p>  {page}  5.\tTag 23.04.<br \/>  An dem wir Sonnenanbeter sahen und uns kurzfristig entschlossen, die Ermitage zu besichtigen.<\/p>\n<p>  Nach dem heutigen Tag sollten uns die F\u00fc\u00dfe richtig wehtun. Wir liefen quer durch St. Petersburg und genossen den Ostersonntag. Wir begannen unsere Exkursion in der Peter-Paul-Festung, in der auch s\u00e4mtliche Zaren begraben liegen.<br \/>  Auffallend war die starke Pr\u00e4sens von Milit\u00e4rs an diesem Sonntagvormittag. Wahrscheinlich waren sie alle ganz artig gewesen und nutzten den Tag f\u00fcr ein paar Spazier- und Kulturg\u00e4nge. <br \/>  H\u00e4tten wir gewusst, dass um zw\u00f6lf Uhr die Glocken schlagen, w\u00e4ren wir sicherlich eine halbe Stunde sp\u00e4ter gekommen, denn genau so lange dauerte die Qual f\u00fcr die Ohren. Ein Glockenspiel sch\u00f6n und gut, aber man darf es nicht \u00fcbertreiben. Zur Entsch\u00e4digung bekamen wir Sonnenanbeter zu sehen. <br \/>  Der Tag war in der Tat sonnig und in der Sonne auch angenehm warm, jedenfalls hatte ich den Eindruck mit meiner Strickjacke und meinem Parker an. Nichtsdestotrotz waren es objektiv betrachtet nicht mehr als 7\u00b0C. Allerdings war es auch der Tag, an dem die Sonnenstrahlen erstmals ein bisschen W\u00e4rme auf die Neva sendete. Nun also zu den Sonnenanbetern; dies waren etwa zehn M\u00e4nner und Frauen, die sich am Ufer der Neva sonnten, bekleidet nur mit einer Badehose und teilweise auch mit Socken. <br \/>  Eine weitere Frau lies sich ebenfalls von der Sonne berieseln, zog ihre Schuhe aus und ging dann spazieren. \u00dcberhaupt sahen wir so viele Leute auf der Stra\u00dfe, wie die letzten Tage nicht.<br \/>  Wir schlenderten weiter zur Aurora und weiteren Pl\u00e4tzen der petersburgischen dostraprenasicd0f bis wir schlie\u00dflich zur Ermitage gelangten. Das ehemalige Winterpalais der Zaren dient heute als eine riesige Kunstsammlung von einer Gr\u00f6\u00dfe, dass man schon allein mindestens zwei Tage damit verbringen k\u00f6nnte, sich diese umfangreichen Gem\u00e4lde, Skulpturen, Teppiche, Stiche usw. anzusehen ? wir hatten 90 Minuten Zeit, bis das Museum schlie\u00dfen sollte.<br \/>  Viele russische Museen haben Dienstags geschlossen; das wussten wir. Was wir nicht bedachten war, dass auch der letzte Montag im Monat kein Arbeitstag f\u00fcr Museenangestellte ist. Eine Frau ohne Z\u00e4hne aber daf\u00fcr mit Englischkenntnissen versuchte sich uns als Guide aufzudr\u00e4ngen. Ich meinte zu Vater, dass sie keine Z\u00e4hne habe und wir einigten uns, dass sie uns lediglich Tickets besorgen sollte und einen kleinen Obolus daf\u00fcr erhielt.<br \/>  Wir rasten in den folgenden 90 Minuten durch s\u00e4mtliche Kunstepochen und h\u00e4tten einen Sachverst\u00e4ndigen gut gebrauchen k\u00f6nnen, zum Beispiel jemanden, der eine m\u00fcndliche Kunstpr\u00fcfung absolvierte.<br \/>  ?Oh! Stiche von Rembrand, und dann gleich ca. 200 St\u00fcck ? sch\u00f6n.? Zwei Minuten sp\u00e4ter sahen wir uns mit den Arbeiten von Michelangelo konfrontiert und \u00fcberflogen diese. Weiter in dem Wirrwarr der R\u00e4ume ging es in die Kunst der Renaissance, des Barock und wie die ganzen Richtungen hei\u00dfen. Wir hetzten von Raum zu Raum und sahen Bilder von Rubens, Hess, und, und, und. Einige Gem\u00e4lde waren so gro\u00df, dass sie die Grundfl\u00e4che meiner Wohnung hatten ? andere vielleicht noch gr\u00f6\u00dfer. Manche waren hingegen so klein, dass sie in ein \u00dcberraschungsei gepasst h\u00e4tten. Die Vielfalt war erdr\u00fcckend.<br \/>  Die Ermitage beherbergt auch einen gro\u00dfen Teil deutscher Beutekunst und nur um die 20% der Kunstsch\u00e4tze k\u00f6nnen tats\u00e4chlich ausgestellt werden ? f\u00fcr mehr reicht der Platz nicht. Unvorstellbar, wenn man wie wir durch das Labyrinth an r\u00e4umen liefen und uns st\u00e4ndig fragten, ob wir hier schon mal gewesen seien. Fakt ist, dass es keinen Zweck hat, die Ermitage zu besuchen, wenn man nicht wenigstens ein bisschen Vorahnung oder Ziele hat, was man sehen m\u00f6chte, denn f\u00fcr alles wird die Geduld einen Durchschnittb\u00fcrgers nicht reichen.<br \/>  \u00dcbrigens ist der Eintritt f\u00fcr Studenten frei, also den Sch\u00fcler- bzw. Studentenausweis nicht vergessen!<br \/>  Anschlie\u00dfend sind wir noch einmal um die Alexanders\u00e4ule gegangen, denn es hei\u00dft, dass man dann wiederkommen w\u00fcrde an die Stadt an der Ostsee. Es ist daher clever, dass der Alexanders\u00e4ule direkt vor der Ermitage steht, sodass man nur einmal um die S\u00e4ule geht und sagt, okay, den Rest guck ich mir n\u00e4chstes Mal an!<br \/>  Nach diesem Marathon lie\u00dfen wir es ruhiger angehen, a\u00dfen, tranken etwas und schlenderten nur noch ein bisschen \u00fcber das Nevsky Prospekt.<\/p>\n<p>  {page}  6.\tTag 24.04.<br \/>  An dem wir die Strapazen der letzten Tage bemerkten und uns ein Fu\u00dfballspiel ansahen.<\/p>\n<p>  F\u00fcr heute hie\u00df es Abfahrt und so verstauten wir unser Gep\u00e4ck erst auf dem Bahnhof und gingen dann ein letztes Mal \u00fcber den Nevsky Prospekt. Wir besuchten die Kasan-Kathedrale (in der man sogar anstehen musste, um ber\u00fchmte Ikonen zu sehen, da hier viele Leute ihre Religion aus\u00fcben), dann die Christi-Auferstehungskirche (die so hei\u00dft, weil hier mal ein Zar verwundet wurde?) und landeten schlie\u00dflich in einem Pub, in dem wir ein Fu\u00dfballspiel ansahen, das AC Milan mit 3:1 gegen Medessa gewann und in dem es drei rote Karten und mindestens 8 weitere Gelbe gab.<br \/>  Wir sa\u00dfen etwa zwei Stunden in dieser Kneipe und hatten keine Lust und Kraft mehr, irgendetwas Anstrengendes zu machen. Danach ging es dann zu Fu\u00df die letzten paar, finalen Meter zum Bahnhof. <br \/>  Hier noch eine kleine Abschweifung. Es gibt einen Witz, den uns unser mexikanischer Reiseleiter einmal erz\u00e4hlt hat und der viel \u00fcber die Mentalit\u00e4t der beteiligten Kulturen aussagt ? es ist gewisserma\u00dfen ein philosophischer Witz. Nun der Witz:<\/p>\n<p>  F\u00e4hrt ein Deutscher mit einem Auto und er h\u00f6rt ein klapperndes Ger\u00e4usch, so sucht er sich die n\u00e4chste Werkstatt und l\u00e4sst es reparieren. Bei einem Russen in selber Situation wird man merken, dass er rechts heranf\u00e4hrt, die Motorhaube \u00f6ffnet und es schnell repariert und dann weiterf\u00e4hrt. Ein Mexikaner hingegen kennt bei einem Klappern des Autos nur eine L\u00f6sung: Er dreht die Musik lauter.<\/p>\n<p>  Nachdem der Leser sich von dem herzlichen Lachanfall beruhigt hat, sollte er sich eingestehen, dass dies mehr oder minder der Wahrheit entspricht. Denn auch wir sahen Russen am Basteln (1. Artikel der russischen Verfassung: Fahre ein Auto, das mindestens 100.000 Dollar kostet oder irgendwo klappert, Lacksch\u00e4den hat, verrostet oder wenigstens vollkommen dreckig ist). Eine Eigenart ist jedoch, dass man zum Basteln nicht zwangsweise rechts heranfahren muss; zwei Tage sp\u00e4ter sollte ich in Moskau einen Bastler sehen, der auf dem Ring (das entspricht einer Autobahn mit 5 Spuren in jeder Richtung) auf der dritten Spur sein Werkzeug herausholte und es ihn keineswegs tangierte, wie die Zwanzigtonner links und rechts an ihm vorbeisausten. <br \/>  Auch in St. Petersburg sahen wir einige Vertreter, die ihren Autos die Erste Hilfe verabreichten. Einer machte nur mal die Motorhaube auf, damit der ganze Qualm darunter frei wurde und der Motor nicht erstrickte. Ein anderer ging \u00e4hnlich vor und hatte aber noch ein wichtiges Werkzeug dabei, das in einem russischen Auto scheinbar nicht fehlen darf: es war ein Hammer. Mit diesem schlug er nun ganz vorsichtig wie ein Arzt, der Reflexe testet, im Motorraum herum. Ob diese Prozedur zum Erfolg bestimmt war, wei\u00df ich nicht?<\/p>\n<p>  Jedenfalls fanden wir uns kurze Zeit sp\u00e4ter im Zug wieder. Leider kann man die Zugfenster nur im Sommer \u00f6ffnen und der beginnt in Russland einheitlich am 1. Mai. Der erste Mai ist somit jener Tag, an dem in Z\u00fcgen die Fenster ge\u00f6ffnet werden k\u00f6nnen oder die Zentralheizung abgeschaltet wird (trotz dessen, dass es nochmals Frost geben kann).<br \/>  Im Zugabteil war es also warm und stickig. Der einzige k\u00fchle Ort war das WC, auf dem man das Fenster das ganze Jahr \u00f6ffnen kann, aber es ist weniger gem\u00fctlich. In unserem Wagon waren wir die einzigen mit unseren Nachbarn, zwei stereotypen Russen. <br \/>  Wir waren kaum im Abteil angelangt oder der Zug wollte gerade losfahren, da ging ich am Nachbarabteil vorbei und fand zwei Menschen darin und eine Flasche Vodka auf dem Tisch ? zur H\u00e4lfte gef\u00fcllt. Diese beiden kamen zeitgleich mit uns in den Zug und machten einen seri\u00f6sen Eindruck, der sich durch ihre Anz\u00fcge und ihr gepflegtes \u00c4u\u00dferes bemerkbar machte. Jedoch waren sie in dem Augenblick, in dem der Zug den Bahnhof verlie\u00df wie ver\u00e4ndert. Nichts deutete mehr auf ihre b\u00fcrgerliche Herkunft hin. An ihren F\u00fc\u00dfen hingen karierte Pantoffeln und wei\u00dfe Tennissocken waren zwischen ihnen und den labbrigen, grauen, ausgewaschenen Jogginghosen zu erkennen. Komplettiert wurde das Outfit durch einen an Geschmacklosigkeit kaum zu \u00fcbertreffenden Pulli. Kleider machen Leute, oder wie man sagt. Dieser Wandel von einem schnieken Gesch\u00e4ftsmann zu einem muffigen Fahrgast war sehr beeindruckend. Nichtsdestotrotz nicht weniger pragmatisch. Bequemer l\u00e4sst es sich in diesen kleinen Abteilen nicht leben und auch die prophylaktische Versorgung mit Vodka zum besseren Einschlafen zeigt hier den erfahrenen Reisenden.<\/p>\n<p>  {page}  7.\tTag 25.04.<br \/>  An dem nichts passierte, au\u00dfer dass wir den Zug verlie\u00dfen und mir mein Vater eine kleine Aktualit\u00e4t erz\u00e4hlte.<\/p>\n<p>  Die Nacht in dem muffigen Abteil war alles andere als komfortabel. Neben der bereits erw\u00e4hnten W\u00e4rme machten sich auch noch unsere Abteilnachbarn bemerkbar. Die W\u00e4nde sind der d\u00fcnn und so vernahm ich ein klares Schnarchen von zwei ausgewachsenen M\u00e4nnern. Hinzu kam ein Weiterer, der seine Schlafgewohnheiten dringenst optimieren sollte, denn auch mein Vater machte Anstalten die Fahrger\u00e4usche des Zuges zu \u00fcbertreffen.<br \/>  Wir erreichten abermals p\u00fcnktlich Yaroslavl um 5:23 und ich verbrachte nahezu den Rest des Tages auf dem Sofa. Jedoch erheiterte mich mein Vater nachmittags noch mit einer kleinen Aktualit\u00e4t, die sich \u00fcbers Wochenende ereignet hatte. Die Eltern von Ira, Vaters Sekret\u00e4rin, waren das erste Mal seit mehreren Monaten wieder in ihrer dadsche. \u00dcblicherweise grenzte diese ein Maschendrahtzaun ein. Doch irgendetwas war anders; der Maschendrahtzaun fehlte. Der komplette Zaun, samt Fundamenten, wurde \u00fcber den Winter geklaut.<\/p>\n<p>  {page}  8.\tTag<br \/>  An dem ich nach Moskau fuhr, aber nur, um von dort aus nach Hause zu gelangen<\/p>\n<p>  Um neun Uhr war Abfahrt und um 13 Uhr erreichten wir den Flughafen. Ich hatte Gl\u00fcck, dass wir nicht zu lange im Moskauer Ring festsa\u00dfen ? denn zwei Tage sp\u00e4ter sollte dieser meinem Vater bei seiner R\u00fcckreise zum Verh\u00e4ngnis werden; wegen eines Staus (er schaffte zehn Kilometer in zwei Stunden) verpasste er seinen Flieger.<br \/>  Auf dem Flughafen passierte nichts Au\u00dfergew\u00f6hnliches. Lediglich war es am\u00fcsant zu beobachten, wie die Damen am Gate versuchten die heftige Sonneneinstrahlung auf ihren PC-Bildschirm zu verhindern. Erst plusterte sich eine der beiden auf und versuchte mit ihrem st\u00e4mmigen K\u00f6rper einen Schatten auf den Bildschirm zu werfen, sodass man besser erkennen kann, was darauf eigentlich steht. Da diese Aktion den erw\u00fcnschten Erfolg verhinderte, musste eine neue Idee her. Ihr n\u00e4chster Geistesblitz bestand darin, zwei DIN-A4-Bl\u00e4tter zu nehmen und sie diese versuchte an der Scheibe direkt hinter ihr so zu befestigen, dass auch diese kleinen A4 Bl\u00e4tter einen Schatten werfen, den selbst die st\u00e4mmige Frau nicht erreicht hat. Nachdem auch diese Idee zum Scheitern verurteilt war, wurde der Tisch noch hin- und hergeschoben, ebenfalls mit m\u00e4\u00dfigem Erfolg. Die beiden Frauen fanden sich schlie\u00dflich mit ihrem Schicksal ab und resignierten gegen\u00fcber den nat\u00fcrlichen Gewalten.<br \/>  Der Rest der Heimfahrt verlief ohne gro\u00dfe Zwischenf\u00e4lle, sodass ich mich mirnichtsdirnichts um 19:30 Uhr vor meiner Haust\u00fcr wieder fand.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine kleine Darstellung unserer Reise nach St. Petersburg.<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[3],"tags":[49],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/volke.biz\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3"}],"collection":[{"href":"http:\/\/volke.biz\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/volke.biz\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/volke.biz\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/volke.biz\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3"}],"version-history":[{"count":1,"href":"http:\/\/volke.biz\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":132,"href":"http:\/\/volke.biz\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3\/revisions\/132"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/volke.biz\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/volke.biz\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/volke.biz\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}